Heidi
Törn mit der russischen Viermastbark "KRUZENSHTERN"

von Dublin/Irland nach Portsmouth/England

24. bis 29. August 1998 (22. bis 30. August 1998)

Ralf
Website Translation


Unser Segeltörn von Dublin nach Portsmouth im August 1998

Samstag, den 22. August 1998


Heute sollte sie endlich losgehen, die Reise, die ich zu meinem 50. Geburtstag von Ralf geschenkt bekommen habe. Gegen 9.30 Uhr ging es mit der S-Bahn nach Düsseldorf und pünktlich um 13.40 Uhr startete der Lufthansa-Flug nach Berlin-Tegel. Ralf hatte ausgesprochen interessante Typen neben sich sitzen, mit denen er auch gleich eine Unterhaltung begann. Hierbei stellte sich heraus, daß es sich dabei um Mitglieder der Gruppe „Hot Chocolate“ handelte, die auf dem Weg zu einem Konzert in Ostdeutschland waren. Nach mehr als 2 ½ Stunden Wartezeit in Berlin-Tegel ging es dann endlich weiter nach Dublin. Bei unserer Ankunft gegen 18.30 Uhr in

D u b l i n


waren wir überrascht. Das Wetter war freundlich und die Temperaturen nicht anders als in Deutschland, und dabei hatten wir uns eigentlich auf kühleres und feuchteres Wetter eingestellt. Aber so kann man sich täuschen.



Dublin ist Hauptstadt und Haupthafen der Republik Irland. Sie liegt an der Ostküste und hat 545.000 Einwohner. Brauereien, Brennereien Leichtindustrie und Werften haben sich hier niedergelassen. Nach Verlassen des Flughafens ging es erst einmal mit einem Linienbus in die Innenstadt. Das Hotel, in dem wir für die nächsten zwei Nächte ein Zimmer hatten reservieren lassen, befand sich jedoch nicht in der City, sondern in Dun Laoghaire, einem Vorort von Dublin. Einige junge Damen aus dem Bus, die Ralf bereits während der Fahrt gefragt hat, zeigten uns anschließend die DART-S-Bahn-Station, von der aus wir mit dem Zug weiterfahren mußten. Während der Zugfahrt sahen wir in der Ferne bereits die vielen Masten der im Hafen liegenden Segelschiffe. Nach ca. einer halben Stunde hatten wir Dun Laoghaire erreicht und von hier aus war es nur noch ein kleiner Spaziergang bis zum „Royal Marine Hotel“. Wir staunten nicht schlecht, als wir es sahen. Es war ein richtig vornehmes Luxushotel.







Das Zimmer glich einer Suite mit einem keinen Flur, einer Sitzecke und - etwas abgetrennt - einem Schlafraum.


...das Bad.




Nun hatten wir nur noch einen Wunsch, den wir auch gleich in die Tat umsetzten: Wir begaben uns in einen irischen Pub und probierten und genossen erstmals ein oder auch zwei Guiness.

Gegen 23.30 Uhr war für uns dann Schlafenszeit.

Sonntag, den 23. August 1998

Heute entsprach das Wetter ganz meinen Vorstellungen von Irland. Der Himmel war eintönig grau und es regnete. Nach einem guten Frühstück im Hotel begaben wir uns - mit Regenjacken bekleidet - zur DART-S-Bahn-Station und fuhren nach Dublin. Der Zug war sehr gut besetzt und fast alle stiegen an der Station in der Nähe des Hafens aus - wir natürlich auch.



Es regnete noch immer und der Regen wurde heftiger, als wir den Hafen erreichten. Hier lagen sie nun, die vielen Segelschiffe. 4-Master, 3-Master und 2-Master. Sie alle hatten an dem großen Cutty Shark Rennen teilgenommen, das in Dublin zuende gegangen war. Halb Irland war deshalb an diesem Wochenende auf den Beinen, um sich die Attraktion anzusehen. Es war immerhin das erste Mal, daß man soviele Tall Ships in Dublin besichtigen konnte.



Mittlerweile schüttete es wie aus Kübeln, so daß wir uns erst einmal unterstellen mußten.





„Unser Schiff“ legt ab zu einem Tagestörn ab.



- die Kruzensthern wird von zwei Schleppern aus dem Hafen gezogen -



- das argentinische Marine-Segelschiff „Libertad“ -


Aber dann hörte der Regen plötzlich auf, die Wolkendecke zeigte Lücken und die Sonne kam zum Vorschein. Das ideale Wetter, um sich auch die Stadt einmal genauer anzusehen.

- das Parlamentsgebäude -



- ein kleiner Markt -





Damit unsere Füße nicht gleich überstrapaziert wurden, suchten wir zwischendurch einen Pub auf, tranken etwas, ruhten uns aus und gingen anschließend weiter.




Gegen Abend meldete sich der leere Magen. Wir entschlossen uns daher, hier in der Stadt noch zu essen und später mit der S-Bahn zum Hotel zurückzufah-ren. Da wir im Ausland stets die einheimische Küche probieren, gab es heute Irish Stew und dazu natürlich Guiness.



Die Preise hier in Dublin für Essen und Getränke sind bedeutend höher als bei uns in Deutschland und wir wunderten uns eigentlich über die vollen Pubs und die vielen jungen Leute, die sich das leisten können.

Es war bereits dunkel, als wir mit der S-Bahn Dun Laoghaire erreichten. Nach einem letzten Guiness in einem Pub hier fielen wir anschließend müde ins Bett.

Montag, den 24. August 1998

Erst als Ralf mir morgens nach dem Aufwachen gratulierte, fiel mir ein, daß ich heute Geburstag habe.

Da wir erst gegen Mittag das Hotel verlassen mußten und nachmittags auf der Kruzenshtern einschiffen konnten, blieb noch viel Zeit, um uns Dun Laoghaire näher anzusehen. Es war sonnig, aber der Wind ganz schön frisch, als wir uns den kleinen Yachthafen in diesem Nobelvorort ansahen.

- Tauben scheint es überall auf der Welt zu geben -








Schützend von einer Kaimauer umb geben: der kleine Yachthafen






- Blick auf Dun Laoghaire von der Kaimauer aus -



- Die „Q 2“ (Queen Elizabeth II), ein richtiger Luxusliner, lag hier vor Anker -


Kurz vor 12 Uhr holten wir unser Gepäck und fuhren ein letztes Mal mit der DART-S-Bahn zum Hafen. Auch heute waren wieder Menschenmassen unterwegs, um sich die Segelschiffe anzusehen.

Endlich war es soweit, dass wir an Bord der Kruzenshtern gehen konnten. Dort erhielten wir unsere Kabine zugewiesen. Dabei hatten wir großes Glück. Da die beiden 16-Kojen-Kabinen mit Trainees voll belegt waren, gab man uns - gegen Aufpreis natürlich - eine Kabine mit 2 Kojen und einem Waschbecken.


Viermastbark STS "Kruzenshtern"

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Segelfläche:3.553 m²
Zahl der Segel:31
was einer Leistung von etwa 7500 PS entspricht
Antriebstechnik:
Klüver:
1 Außenklüver 2 Klüver 3 Innenklüver 4 Vorstengestagsegel
Rahsegel am Vormast (Fockmast):
5 Fock 6 Vor-Untermarssegel 7 Vor-Obermarssegel 8 Vor-Unterbramsegel 9 Vor- Oberbramsegel 10 Vor- Royal
Schratsegel vom Vormast zum Großmast, an Stagen befestigt:
11 Groß-Stengestagsegel 12 Groß-Bramstagsegel 13 Groß-Royalstagsegel
Rahsegel am Großmast:
14 Großsegel 15 Groß-Untermarssegel 16 Groß-Obermarssegel 17 Groß-Unterbramsegel 18 Groß- Oberbramsegel 19 Groß- Royal
Schratsegel vom Großmast zum Kreuzmast, an Stagen befestigt:
20 Kreuz-Stengestagsegel 21 Kreuz-Bramstagsegel 22 Kreuz-Royalstagsegel
Rahsegel am Kreuzmast
23 Bagien 24 Kreuz-Untermarssegel 25 Kreuz-Obermarssegel 26 Kreuz-Unterbramsegel 27 Kreuz- Oberbramsegel 28 Kreuz- Royal Schratsegel vom Kreuzmast zum Besanmast, an Stagen befestigt.
29 Besan-Stagsegel 30 Besan-Stengestagsegel 31 Besan-Bramstagsegel Schratsegel am Besanmast:
32 Unterbesan 33 Oberbesan 34 Besantoppsegel
Hilfsmaschinen


2 SK - Dieselmotoren
Leistung: 2 x 1,000 PS



- unsere Kabine des 3. Ing. -


Nur ganz nebenbei sei bemerkt, daß diese Kabine sich in einem erbärmlichen Zustand befand, aber schließlich befanden wir uns nicht in einem Luxushotel, sondern auf einem alten, in russischem Besitz befindlichen Segelschiff.

Danach bummelten wir noch etwas durch die Stadt.

- Dieses ausdrucksstarke Denkmal am Hafen zeigt die große Armut und die Hungersnot, die vor Beginn der Auswanderung in die heutige USA in Irland herrschte -











Bei diesem schönen Wetter mußte ich einfach die vielen Schiffe noch einmal fotografieren.



Der mexikanische Marine-Großsegler „Guautemoc“





Beim Abendessen um 19.30 Uhr begaben wir uns wieder auf das Schiff. Die Tainee-Messe war voll belegt. Es gab eine dünne Suppe, einen kleinen Teller Reis mit fünf kleinen Stückchen Schweinefleisch und zum Nachtisch Tee (alles sehr kalorienarm und figurfreundlich).

Danach begaben wir uns wieder an Deck. Wir sahen vom Schiff aus dem bunten Treiben zu und als Höhepunkt des Abends gab es schließlich noch ein großes Feuerwerk. Den Abschluß bildeten schließlich die Segelschiffe, die sich durch das abwechselnde Ertönen ihrer Nebelhörner von den vielen Menschen, die erst jetzt nach und nach den Heimweg antraten, verabschiedeten.

Auch wir gingen nun in unsere Kabine und trotz der nicht sehr bequemen Kojen schliefen wir diese Nacht hervorragend.

Dienstag, den 25. August 1998

Um 6.30 Uhr wurden wir - wie auch die Schiffsbesatzung - durch einen Offizier geweckt, dessen Stimme durch den Lautsprecher in unserer Kabine zu hören war.

Nach dem Frühstück in der Messe - Brot, Margarine und eine kleine schrumpellige Wurst, die fast nur aus Fett bestand, sowie Tee - begaben wir uns alle an Deck, denn heute sollten alle Schiffe in einer Segelparade den Hafen verlassen.




Wir staunten nicht schlecht über die Menschenmassen, die sichauch heute wieder hier versammelten, um sich dieses Schauspiel nicht entgehen zu lassen. Der Himmel war heute mal wieder wolkenverhangen, aber wenigstens regnete es nicht.

- Auch auf unserem Schiff hatten sich die Matrosen und Kadetten für den heutigen Tag besonders „feingemacht“ -




Um 12 Uhr ging es zum Mittagessen unter Deck. Es gab mal wieder eine dünne Suppe, einen kleinen Teller mit Nudeln und fünf Stückchen Schweinefleisch (wie am Vortrag) sowie zum Nachtisch Tee.

Wir beeilten uns, wieder nach oben zu kommen, denn die Segelparade sollte nun endlich losgehen. Dieses Schauspiel wollte sich natürlich niemand entgehenlassen.




Als erstes wurde die „Sedov“, das größte Segelschiff der Welt, mit zwei Schleppern in Fahrtrichtung gezogen. Unter dem Beifall der Zuschauer und den dumpfen Tönen des Nebelhorns fuhr das Schiff langsam aus dem Hafen heraus.




Danach folgten zwei kleiner Segelschiffe und nun kam der vor uns liegende Argentinier „Libertad“ an die Reihe. Die Marinekadetten begaben sich in die Rahen, stellten sich dort in „Reih und Glied“ auf und nachdem die Schlepper das Schiff in Fahrtrichtung gezogen hatten, verabschiedete sich der Segler unter großem Beifall der Zuschauer nicht nur mit dem Ertönen des Nebelhorns, .......





sondern auch noch
mit einem „Schuß“
aus dem Bug.
Es war auch für uns ein tolles
Schauspiel.





Nachdem wiederum zwei kleinere Segler den Hafen verlassen hatten, kam unser Schiff an die Reihe. Nachdem auch wir von den Schleppern in Fahrt-richtung gezogen worden waren,.....



....ging es ebenfalls unter dem Beifall und Winken der Zuschauer sowie einem Abschiedsgruß mit dem Nebelhorn langsam aus dem Hafen. Wir fuhren vorbei an der „Alexander von Humboldt“, dem Becks-Schiff mit den grünen Segeln, das hier natürlich auch nicht fehlen durfte.



Wir mußten eine hochgezogene Brücke passieren ......









...und fuhren langsam auf die offene See zu.









Hier staunten wir nicht schlecht und hatten das Gefühl, alles was in Irland Boote oder Yachten hatte, befand sich auf dem Wasser.






Sie umkreisten uns oder fuhren neben uns her.







Währenddessen waren die Kadetten an Bord damit beschäftigt, die ersten Segel zu setzen..



Aber nicht nur im Wasser wurden wir verfolgt und umkreist, sondern auch in der Luft. Hubschrauber mit Fotografen zogen ebenfalls ihre Kreise.






Allmählich entfernten wir uns immer weiter vom Festland.
Im Hintergrund die Alexander von Humboldt, die irgendwann nach uns den Hafen verlassen hatte.




Es ging noch vorbei an kleinen irischen Inseln, bevor wir die offene See erreicht hatten.






An Bord war jetzt der Alltag eingekehrt.





- das Steuerrad -

- die Nagelbank mit den unzähligen Tauen -


Um 18 Uhr gab es das Abendessen - eine dünne Suppe, einen kleinen Teller mit Nudeln und - zur Abwechselung - mal ein Stückchen Huhn, das aber leider nur labberig und vollkommen „geschmacksneutral“ war.

Danach erschien der Bootsmann in der Messe. Wir wurden eingewiesen in die Sicherheitsbestimmungen an Bord und viele kleine Dinge, die man auf einem solchen Schiff zu beachten hat.

Anschließend begaben wir uns noch einmal an Deck, unterhielten uns noch etwas mit den anderen Trainees und gingen nach diesem erlebnisreichen Tag richtig schön müde in unsere Kojen.

Mittwoch, den 26. August 1998

Wieder einmal hatten wir gut geschlafen, bis uns um 6.30 Uhr die Stimme des 1. Offiziers per Lautsprecher weckte. Nach dem nicht erwähnenswerten Frühstück begaben wir uns an Deck. Der Himmel war grau, es nieselte leicht und der Wind blies stark aus Nordwest.

Unsere Unterhaltung mit einigen deutschen Trainees darüber, daß der Wind doch opitmal sei, um unter voller Besegelung und ohne Dieselmotor vorwärts zu kommen, war gerade beendet, als ein russisches Kommando über das ganze Schiff ertönte.

Der größte Teil der 120-köpfigen Besatzung - vor allem Matrosen und Kadetten - begannen plötzlich zu laufen. Ein Teil begab sich in die Rahen, .....








Der Dieselmotor war abgestellt und zu hören war nur noch das Strom- aggregat.





Das Schiff lag nun ganz anders im Wasser.



Wir Trainees, insgesamt 46 an der Zahl, bestanden aus Iren, Engländern und Deutschen. Vom 17-jährigen Schüler bis zum Rentner, vom Arbeiter bis zum Akademiker war alles vorhanden, aber wir Frauen - insgesamt 8 - befanden uns in der Minderzahl. Mit einer irischen Lehrerin - sie hieß Carmel - verstand ich mich besonders gut.

Während wir Trainees also diese Fahrt genießen konnten, mußte die Besatzung richtig arbeiten.








































Gern hätten wir uns einmal mit den Kadetten unterhalten. Es war aber leider aufgrund der Sprachbarriere nicht möglich, da sie nur die russische Sprache beherrschten.




- Seilwinden, mit denen die Rahen in die richtige Windrichtung gedreht werden können -




- eine Schraubstock, hier wurde gespleist -




- die Brücke -




- noch einmal die Seilwinden von der Brücke aus gesehen -




- Ralfi auf „Kontrollgang“ -







- hier wird repariert -







- hier wird gestrichen -




- die Kruzensthern macht richtig Fahrt -




Gegen 10 Uhr stand ein besonderes Erlebnis auf dem Programm. Wer von uns Trainees konnte und wollte, durfte unter der Anleitung des Bootsmannes in die Masten. Nachdem er uns genaue Anweisungen gegeben hatte, ging es auch für mich nach oben.







Es war einfacher als ich dachte. Man muß sich nur konzentrieren, nicht leichtsinnig werden und ...... unbedingt schwindelfrei sein. Dann ist das ein tolles Erlebnis.













Noch vor dem Mittagessen riß plötzlich die Wolkendecke auf und als wir aus der Trainee-Messe zurückkamen, schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Es war toll.






















Nach dem Abendessen - was es gab, ist einfach nicht erwähnenswert - erlebte ich erstmals einen Sonnenuntergang auf See und der war heute auch ganz besonders schön.




Für den Rest des Abends waren wir beim ersten Offizier in seiner Kajüte eingeladen. Ralf hatte ihn in den Tagen auf dem Schiff näher kennenlernen können. Das lag auch ganz einfach daran, daß er die englische Sprache recht gut beherrschte und so eine Kommunikation möglich war.

Gegen 22.30 Uhr begaben wir uns in unsere Kojen.

Zweimal wurden wir in dieser Nacht durch Kommandos aus dem Lautsprecher in der Kabine geweckt. Zuerst mußten aufgrund des nachlassenden Windes einige Segel eingeholt werden. Das Schiff lief nun wieder mit Hilfe des Dieselmotors. Später wurden noch mehr Segel eingeholt, da der Wind weiter nachgelassen hatte.

Donnerstag, der 27. August 1998

Als wir uns nach dem Frühstück an Deck begaben, staunten wir nicht schlecht über das herrliche Wetter. Die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel.

Für Ralfi, der zu Beginn des Segeltörns dazu auserkoren worden war, als Fachmann mit guten Englischkenntnissen den interessierten Trainees aus Irland und England den Maschinenraum zu zeigen, stand mal wieder ein Besichtigungsrundgang auf dem Plan.

Von seiner guten Führung und seinen Kenntnissen zeigten sich alle ganz begeistert.




- Die Maschine, das Herz eines jeden Schiffes -




Währenddessen waren die Kadetten an Deck damit beschäftigt, die letzten noch gesetzten Segel einzuholen, denn der Wind bestand jetzt nur noch aus einem „lauen Lüftchen“.

















Nachdem nun alle Segel eingeholt worden waren, wurde auch die Maschine abgestellt und das Schiff stand jetzt im Ärmelkanal. Nach einem erneuten russischen Kommando holten sämtliche Kadetten Schrubber, Seife, Eimer und Kleidungsstücke und begannen, ihre Sachen auf Deck zu „waschen“. Wir staunten alle nicht schlecht.




Die Hosen und Jacken wurden auf Deck ausgelegt, mit Schrubber und Seife bearbeitet, ausgespült, ausgewrungen.....












.... und anschließend zum Trocknen aufgehangen. Es sah sehr lustig aus. Überall auf Deck hing die Wäsche.


Aber die Arbeit war noch nicht beendet.
Denn nun stand das mühselige Deck- schrubben auf dem Programm, bei dem wir Trainees nun ständig von einer Ecke in die andere flüchten mußten, um nicht im Weg zustehen.








Am Nachmittag war auch für die Kadetten die Arbeit beendet. Nun standen sie alle mit Angeln und Eimern an der Reling und holten Mengen von Makrelen aus dem Wasser. Es ging buchstäblich Schlag auf Schlag. Währenddessen standen oder saßen wir in der Sonne und genossen diesen schönen warmen Tag.
Am Abend setzte die Kruzensthern ihre Fahrt ohne Segel fort.







Ralf und ich waren heute bei dem 2. Ingenieur aus der Maschine in seiner Kajüte eingeladen. Auch er verfügte über englische Sprachkenntnisse, so daß wir uns sehr gut mit ihm unterhalten konnten.

Nebenbei gab es Kaffee, Kekse und einen Wodka.

Gegen 22 Uhr verabschiedeten wir uns von ihm und drehten vor dem Schlafen-gehen noch einige Runden auf Deck. Wir genossen die milde Abendluft unter einem herrlichen Sternenhimmel, hielten noch einige Schwätzchen mit anderen Trainees und fielen gegen 23.30 Uhr schließlich in unsere Kojen.

Freitag, den 28. August 1998

Heute sollten wir den englischen Hafen Portsmouth erreichen. Zum Frühstück gab es heute zur Freude der britischen Trainees Porridge. Diesem hafer-schleimähnlichen Zeug konnte ich überhaupt nichts abgewinnen, sondern war nach einer Miniportion bereits „pappsatt“.

Als wir uns anschließend an Deck begaben, sahen wir auf der linken Seite die englische Küste.

Das Wetter war auch heute wieder sonnig und richtig schön warm.




Die Kadetten hatten bereits ihre am Tag zuvor frisch gewaschenen Uniformen angezogen, als wir gegen 9 Uhr morgens in den Hafen von Portsmouth einliefen.




Die Kruzensthern war jetzt über die Toppen geflaggt.





Viele keine Segeljachten lagen auch hier im Hafen.







- eine alte Kogge fuhr an uns vorbei -




- Das schnellste Schiff, das jemals den Atlantik überquert hat und dafür das „Blaue Band“ erhielt -

Nachdem wir schließlich im Hafen angelegt hatten, dauerte es noch eine ganze Zeit, bevor wir endlich das Schiff verlassen konnten, denn es mußten erst noch einige Formalitäten erledigt werden.

Hier in Portsmouth fand ebenfalls ein großes Hafenfest statt. Unzählige Verkaufs- und Eßstände sowie Getränkebuden waren aufgebaut. Außerdem gab es jede Menge englische Kriegsschiffe zu besichtigen.

Desweiteren lag hier die restaurierte „Victory“, die Kogge von Lord Nelson. Ein fantastisches Holzschiff, das ich aber aufgrund seiner Größe einfach nicht fotografieren konnte.

Auch hier strömten die Menschenmassen in das Hafengebiet.

Ich hatte den Wunsch, den hier liegenden Flugzeugträger zu besichtigen, aber als wir schließlich dort ankamen, war die Menschenschlange bereits mindestens 400 m lang. Das war für mich Grund genug, dieses Vorhaben nicht in die Tat umzusetzen.

Stattdessen steuerten wir einen Eßstand nach dem anderen an. Ich hatte ständig Appetit und nach den Tagen auf der Kruzensthern einen großen Nachholbedarf an leckeren Sachen. Aus diesem Grund verzichteten wir auch heute auf das Essen an Bord.




Es war bereits dunkel, als wir abends auf unser Schiff zurückkehrten und die letzte Nacht hier verbrachten.

Samstag, den 29. August 1998

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von den übrigen Trainees und einigen Offizieren der Besatzung und verließen endgültig das Schiff. Zu Fuß begaben wir uns zum ca. 500 m entfernten Bahnhof und fuhren mit dem Zug nach

L o n d o n


Das Wetter war auch heute wieder einfach traumhaft.

Zuerst belegten wir unser Zimmer in einem Hotel im Stadtteil Kensington und starteten anschließend zu unserem „Besichtigungsmarathon“, denn uns blieb nur der heutige Tag. Da ich vorher noch nie in London gewesen bin, wollte ich mir wenigstens die wichtigsten Sehenswürdigkeiten vor Ort anschauen.

Um nicht soviel Zeit zu verlieren, nahmen wir uns ein Taxi und fuhren zuerst zum Wohnsitz von „Lisbeth“, dem

- Buckingham-Palast -








Ab jetzt ging es aber nur noch zu Fuß weiter.


- Trafalgar Square -.








Ein Blick in die streng bewachte Downing- Street.





Ganz begeistert waren wir von den herrlichen Blumenampeln.






- Big Ben und Parlaments- gebäude.-.








Nun gingen wir die Themse entlang in Richtung Tower Bridge, die ich mir nicht entgehenlassen wollte.

Wir gingen... und gingen.... und gingen..... und gingen... bis wir sie schließlich sahen.




Nun gingen wir die Themse entlang in Richtung Tower Bridge, die ich mir nicht entgehen lassen wollte.

Wir gingen... und gingen... und gingen... und gingen... bis wir sie schließlich sahen.













Der Tower

Leider hatten wir keine Zeit, ihn zu besichtigen.










- immer dabei: der Stadtführer -




- das häßliche und geschmacklose Gebäude der bekannten englischen Lloyds-Versicherung -




- Piccadilly Circus -







- das bekannte Kaufhaus Harrods -

Als wir hier ankamen, war es bereits 18 Uhr. Meine Füße spürte ich schon gar nicht mehr. Aber gern hätte ich gewußt, wieviel Kilometer wir an diesem Tag gelaufen sind.




Der krönende Abschluß des Tages war das Essen in einem Spare-Rib-Restaurant. Schon lange hatten wir ein Gericht nicht mehr so genossen wie heute. Diese köstlich gewürzten Rippchen, der herrlich frische Salat, es war einfach ein Genuß nach dem Essen auf dem Schiff. Und dazu ein großes Bier. Wir waren rundum zufrieden.







Anschließend begaben wir uns gut gesättigt und ausgeruht auf den langen Rückweg nach Kensington zu unserem Hotel.

Wie ein Stein fielen wir heute nach diesem schönen aber anstrengenden Tag ins Bett und haben geschlafenwie Murmeltiere.

Sonntag, den 30. August 1998

Zum Frühstück gingen wir in ein einfaches Restaurant in der Nähe des Hotels. Danach stand noch ein kleiner Spaziergang auf dem Programm, bevor wir uns mit dem Zug zum Flughafen Heathrow begaben. Der Lufthansaflug 4511 brachte uns zurück nach Düsseldorf, wo wir am späten Nachmittag ankamen.

Dieses Geburtstagsgeschenk war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Und eines wissen wir schon heute: Einen Segeltörn auf einem Großsegler werden wir mit Sicherheit noch einmal wiederholen und dann - wenn möglich - auf dem Atlantik.


Seefahrtbuch-Eintrag







Text und Fotos Heidi Sander-Roehr
Technik Ralf Sander
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