Törn mit der russischen Viermastbark STS "SEDOV"

im Oktober 2012 von Ushuaia/Argentinien um das legendäre Kap Hoorn nach Valparaiso/Chile

Eines der letzten großen Abenteuer des 21. Jahrhunderts!

"Trainee" Ralf
Website Translation

Zu Beginn meiner Seefahrtzeit hatte ich mir vorgenommen, zumindest je eine Reise auf Schiffen mit den unterschiedlichsten Antrieben zu machen. Dazu gehörten damals:

Kolbendampfmaschine, Dampfturbine, Dieselmotor, Gasturbine, Atomantrieb und das Segelschiff.

Durch die Tragödie der Pamir im Jahr 1957 gleich zu Anfang meiner Fahrzeit war dieser Traum ausgeträumt. Für die mit Atomantrieb ausgestattete „Otto Hahn“ erhielt ich aufgrund der großen Nachfrage eine Absage. Da der Gasturbinenantrieb überwiegend auf US-amerikanischen Schiffen eingesetzt wurde, blieben für mich nur die Dampfmaschine, der Dieselmotor und die Dampfturbine. Mit Beendigung meiner aktiven Seefahrtzeit 1970 hatte sich dieses Thema erledigt.

Während unserer Südseeurlaube in den Jahren 1993 und 1995 kam nach zwei Segeltörns mit der Brigantine „Ra Marama“ wieder das Verlangen nach einem Törn mit einem richtigen Großsegler auf.

Da sich die Zeiten mit dem Zerfall der UDSSR geändert hatten, waren nun mit den beiden letzten noch fahrenden Frachtenseglern aus der Segelschiffzeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts Reisen auf der ehemaligen deutschen Viermastbarks „Sedov“ sowie der „Kruzenshtern“ möglich. Meine Frau und ich unternahmen 1998 einen Törn auf der STS „Kruzenshtern“ von Dublin nach Portsmouth sowie die Milleniumreise der STS „Sedov“ zur Jahreswende 1999 auf 2000 von Warnemünde aus.

Jetzt keimte bei mir wieder das alte Verlangen auf, einmal mit einem der beiden Schiffe ums Kap Hoorn zu segeln. Als ich erfuhr, dass die „Kruzenshtern“ 2005/2006 eine Weltumsegelung mit Kap Hoorn-Umrundung plante, wollte ich unbedingt dabei sein. Nach sofortiger Rücksprache mit dem damaligen Veranstalter wurde ich jedoch enttäuscht, denn alle verfügbaren Trainee-Plätze waren bereits ausgebucht.

Im Januar 2012 bei Recherchen für meine Homepage sah ich zufällig, dass diesmal die STS „Sedov“ eine Weltreise plante. Sofort kontaktierte ich den Veranstalter. Nun klappte es. Von den 44 verfügbaren Traineeplätzen waren noch 6 frei. Ich beriet mich mit meiner Frau und dann wurde sofort der Törn von Ushuaia/Argentinien nach Valparaiso/Chile gebucht. Warum gerade diese Umsegelung und nicht die von Montevideo/Uruguay Richtung Süden um Kap Hoorn und dann weiter durch den Beagle Kanal nach Ushuaia/Argentinien, dazu später mehr.


Spanien

Argentinien

Chile

Spanien


STS "Sedov" round the world 2012/2013



Törnplan STS "Sedov" 2012/2013



Heidi sowie unsere beiden Hunde brachten mich zum Busbahnhof nach Marbella. Am Ticketschalter kam für mich die erste Überraschung. Der von mir vorher im Internet aufgerufene Fahrplan das Shuttlebusses von Marbella zum Airport Malaga war veraltet. Jetzt in den urlaubsarmen Monaten galt ein abgespeckter Fahrplan. Mein von mir ausgesuchter Bus fuhr nicht und mit dem nächsten Bus hätte ich den Flieger verpasst. Ich war schon drauf und dran, mit dem Taxi zum Flughafen zu fahren, aber 60 € sind viel Geld. Ich checkte die von hier zum Busbahnhof in Malaga fahrenden Direktbusse und siehe da, 10 Minuten später fuhr einer. Nach 40 Minuten erreichte ich Malaga und von dort aus nahm ich eine Taxe zum Flughafen. Das Einchecken verlief reibungslos. Das Gepäck wurde bis Buenos Aires aufgegeben. Die Boeing 737 der Air Europa flog pünktlich nach Paris ab.

Am Flughafen Charles de Gaulle in Paris traf ich am Terminal 2E Udo aus Düsseldorf und Wolfgang aus Bremen.

Jetzt komme ich auf eine ungewöhnliche Geschichte über unseren Törn rund ums Kap Hoorn zurück.

Als ich meinen Törn bereits fest gebucht hatte, rief ich meine beiden Kollegen aus früherer gemeinsamer Seefahrtzeit an, ob sie nicht Lust hätten, mitzufahren. Wir drei waren 1964 auf der MS „Edmund Hugo Stinnes“ und 1967 auf der MS „Westfalen“ der Reederei Otto Stinnes tätig. Die "Westfalen", auf der ich drei Jahre als Leitender Ingenieur arbeitete, ist nach dem Verkauf an eine ausländische Reederei in der Bucht von Valparaiso gestrandet. Aufgrund meiner vielen Erinnerungen an die schöne Zeit, die ich damals auf dem Schiff verbracht hatte, wollte ich in Valparaiso auf Spurensuche nach dem Wrack gehen. Ich erzählte das meinen beiden Freunden und sie waren sofort bereit, mitzufahren. Berichte mit Bildern der havarierten Westfalen stehen auf dieser Homepage unter "Meine Seefahrtzeit Teil 3".
Ein anderer gemeinsamer Schnittpunkt ist für uns die Hansestadt Bremen. Wir drei haben dort die Schiffsingeniersschule besucht. Wolfgang hat Bremen zu seiner neuen Heimat gemacht und ich habe dort das Licht der Welt erblickt. Ferner war bis 1945 Bremen der Heimathafen der heutigen Sedov. Wenn das kein Grund für den gemeinsamen Törn ist, was denn?!


Die Begrüßung war sehr herzlich, denn Udo und Wolfgang hatten sich 45 Jahre nicht gesehen. Es gab viel zu erzählen. Pünktlich startete die vollbesetzte Boeing 777 der Air France.


Der Service entsprach den früheren Flügen der Air France, also mäßig. Der Flug selber verlief ruhig und wir landeten um 07.20 Uhr Ortszeit in Buenos Aires. Die Passkontrolle und die Gepäckausgabe dauerten sage und schreibe 2 ½ Stunden! Durch diese Zeitverzögerung entschlossen wir uns, anstelle des Linienbusses ein Taxi zu nehmen. Der Fahrer brachte uns zum sehr zentral gelegenen Sarmiento Palace Hotel, welches ich schon von früher kannte. Nach dem fast 14 stündigen Marathonflug und über 30 Stunden auf den Beinen machten wir uns im Hotelzimmer frisch. Wolfgang gab an der Hotelbar einen Begrüßungsdrink aus und dann begaben wir uns auf einen längeren Fußmarsch durch das Zentrum von Buenos Aires.





Die Hauptstadt Argentiniens mit ihren. 3 Mio. Einwohner ist auch das politische, kulturelle, kommerzielle und industrielle Zentrum des Landes. Sie liegt am Rio de la Plata. Im Großraum von Buenos Aires leben ca. 13 Mio. Menschen und sie ist nach Sao Paulo die zweitgrößte Stadt in Südamerika. Ihr Name stammt von einer Schutzheiligen der Seefahrer, Santa María del Buen Ayre (span. Heilige Maria des Guten Windes).


Präsidentenpalast

Kongresspalast


Am Nachmittag besuchten wir im Stadtteil San Telmo die Plaza Dorrego und bewunderten die Tangotänzer auf der Strasse.


Überall Tangotänzer in den Straßen von San Telmo


Abends gingen wir in das von mir aus Spanien vorbestellte Restaurant Cabaña las Lilas in Puerto Madero. Das Ambiente und die Steaks – für Udo gab es Rumpsteak sowie für Wolfgang und für mich Tropical Kobe Steak – waren perfekt. Noch nie habe ich ein so zartes und gutschmeckendes Steak gegessen. Dazu ließen wir uns Pisco sour schmecken und als Absacker gab es einen Cardinal Mendoza Brandy.


Kobe-Steak-Essen im "Cabaña las Lilas" in Puerto Madero von Buenos Aires




Blick in eines der 4 Restauranträume, in denen alle Tische besetzt waren.

Blick von der Restaurantterrasse auf den Puerto Madero



Wir „drei“ haben wie die Murmeltiere geschlafen. Nach dem Frühstück im Hotel unternahmen wir eine Fahrt mit der alten nostalgischen Metro der Linie C.


Historischer Metrozug "Linea C"

Nostalgisches Interior

Metro-Ticket


Danach ging es mit dem Bus auf eine Besichtigungsrundtour durch Buenos Aires. In „La Boca“ verweilten wir einige Zeit bei herrlichem Sonnenschein.



Künstlerviertel "La Boca"




Fußballstadion von Boca Juniors
die Heimat von Diego Maradonna

Die legendären Dogsitter von Buenos Aires

Auch in La Boca wird überall Tango getanzt


Einen weiteren Zwischenstop legten wir in Puerto Maredo ein. Hier besichtigten wir das alte Segel/Dampfschiff "Presidente Sarmiento" der argentinschen Kriegsmarine.

Fregatte A.R.A. "Presidente Sarmiento"



Technische Daten:
Bauwerft Laird Brothers in Birkenhead/England
Baujahr: 1897-1899
für Armada de la República Argentina A.R.A. (Argentinische Marine)
Rumpf Stahl
2 Periskopschornsteine
Verdrängung 2733 Tonnen
Länge 85,5 m
Breite 13,32 m
Tiefgang 5,94 m
Takelung: Vollschiff - rahgetakelter Dreimaster
Höhe Großmast über dem Kiel 54,3 m
Segelfläche: 2.230 m²
Hilfsantrieb Dreifachexpansionsdampfmaschine mit 1800 PS
4 Flammrohressel
Geschwindigkeit mit Maschine 13 Knoten
Besatzung: 32 Offiziere, 40 Kadetten und 275 Mann


Wachablösung


Gegen 18.00 Uhr kehrten wir zum Hotel zurück. Nach dem anstrengenden Tag aßen wir abends im Parillarestaurant "Chiquilin" in der Nähe des Hotels. Den Absacker gab es in einem kleinen Biergarten, wo es so kalt war, dass das Bier nicht gekühlt werden musste.


Vor unserem Weiterflug nach Ushuaia gingen wir noch zur Bank und wechselten dort einige Euros in chilenische Pesos, da es bei unserer Ankunft am Sonntag in Valparaiso Schwierigkeiten mit dem Tausch geben könnte.

Die Boeing 737 der Aerolineas Argentinas startete pünktlich.


Spektakulärer Landeanflug auf Ushuaia Airport - Berge fast zum Anfassen


Ushuaia hat ca. 80000 Einwohner, liegt an der Südseite der Großen Feuerland-Insel (Isla Grande de Tierra del Fuego) am Beagle-Kanal und ist die südlichste Stadt Argentiniens. Die Entfernung zur Hauptstadt Buenos Aires beträgt 2375 km.

Ushuaia erreichten wir gegen 18.00 Uhr und wurden von einem Fahrer unserer Unterkunft „Posada del Fin del Mundo“ abgeholt.


Blick vom Flughafen auf die Berge


Unsere Unterkunft "Posada del Fin del Mundo"

Haupteingang

Seitenansicht

Eine letzte Mail in die Heimat vor Beginn des großen Abenteuers


Wie unser Tasco - die Hunde sind überall gleich
egal ob auf der nördlichen oder südlichen Hemisphäre


Vor Einbruch der Dunkelheit unternahmen wir noch einen kurzen Bummel durch den Ort bis hinunter zur Avenida Maipú am Hafen. An der Stadt zugewandten Seite der Muelle Comercial lag sie nun in der Abendsonne, die stolze "SEDOV".


Die "Sedov" im Hafen von Ushuaia


Maipú ist eine Gegend südlich von Santiago de Chile, in der im Jahr 1818 argentinisch-chilenische Patrioten noch einträchtig im Unabhängigkeitskampf gegen die spanischen Royalisten siegten.
. . . und was hat Maipú mit Bremen zu tun?
Am 4. November 1951 erreichte das argentinische Passagierschiff "Maipu" auf seiner Jungfernreise mit 107 Passagieren an Bord das Weser-Feuerschiff. Am gleichen Tag verließ der amerikanische Truppentransporter "UNSN General M. L. Hersey AP 148" - C4-S-A1 Class troopship - Bremerhaven in Richtung Hampton Roads in Virginia, USA. An jenem Tag herrschte dichter Nebel. Um 19.37 MEZ kollidierten beide Schiffe. Die Maipu wurde mittschiffs auf Backbordseite gerammt. Sie sank innerhalb von drei Stunden. Alle Passagiere und Besatzungsmitglieder wurden gerettet. Das Wrack liegt noch heute in der Wesermündung.


MS "Maipu"
Passagierschiff
Reederei: Compañía Argentina De Navegación Dodero S. A., Buenos Aires
Flagge: Argentinien
Bauwerft: Koninklijke Maatschappij De Schelde - Royal Schelde, Vlissingen/Niederlande
Baujahr: 1951
Baunummer: 267
Größe 11515 grt
Länge: 149,4 m
Breite: 19,5 m
Tiefgang: 10,7 m
Antrieb: 2 Dieselmotoren - 2 Schrauben
Geschwindigkeit: 18 Knoten
Besatzung: 165 Personen
Passagiere: 107





Die "MAIPU" nach der Kollision mit zunehmender Schlagseite



Truppentransporter "USNS GENERAL M. L. HERSEY T-AP-148"
mit den Schiffbrüchigen an Deck auf den Weg nach Bremerhaven



Ushuaia

Über Ushuaia bricht die Nacht herein


Auf Empfehlung der Hotelchefin gingen wir abends in das chilenische Restaurant "Chiko" - La Casa de los Mariscos - da die Chilenen den Fisch und die Meeresfrüchte angeblich besser zubereiten können als die Argentinier. Wir aßen dort King Crab Chupe - Königskrabben- oder Kamtschatkakrabbeneintopf. Die Empfehlung war sehr gut, denn das Essen und der dazu servierte Pisco sour waren vorzüglich.


Lebensfrohe Idegenas im Restaurant



Vormittags gingen wir nochmals zum Hafen, um von der „Sedov“ ein paar Fotos bei Sonnenschein zu schießen.


Ein in die Jahre gekommmener Schlepper











Die "Sedov" vor spektakulärer Kulisse.


Anschließend mieteten wir uns für 3 ½ Stunden ein Taxi, um eine Rundfahrt durch den „Parque National Tierra del Fuego“ zu machen. Guanacos und Albatrosse gab es fast zum Anfassen. Auch die von den Bibern (Castores) angerichteten Schäden waren erstaunlich. Vor geraumer Zeit lief darüber im deutschen Fernsehen eine Dokumentation.


Eintrittskarte vom Parque Nacional Tierra del Fuego>














Nach einem kleinen Imbiss in einem Cafe war eine Siesta angesagt.




Sonnenuntergangsstimmung auf dem Weg zum Restaurant Kaupé


Am Abend trafen wir uns mit einigen Mitseglern, die wir durch das Internet kennengelernt hatten, im Restaurante Kaupé. Auch hier hatte ich von Spanien aus bereits die Plätze reservieren lassen. Für mich gab es „Ceviche de Vieyras“ (rohe, in Limonensaft gebeizte kleine Jacobsmuscheln) und nochmals King Crab-Chupe. Das Essen war vorzüglich, schließlich war es im Jahr 2005 zum besten Restaurant Argentiniens gewählt worden. Der Name Kaupé stammt aus der Shelknam Sprache, die von den Indigenas der Onas auf Tierra del Fuego gesprochen wird und bedeutet: "Zuhause sein” .



Königskrabbengericht vom Feinsten




Patagonische Königskrabbe (Lithodes santolla oder magallánica
Die Aufnahme wurde im Schaufenster eines Restaurantes aufgenommen.
Die Riesenkrabben können bis zu 8 kg schwer werden und eine Beinspannweite von 100 cm erreichen.





Wir "drei" und 5 Mitsegler







Um 10.00 Uhr machten wir uns auf den Weg zur „Sedov“. Zuvor mussten wir im Hafen zur Immigration sowie das Gepäck scannen lassen.


Unter dem Kommando von
Kapitän Nikolai Zorchenko




Technische Daten:
Frachtensegler- Segelschulschiff
Bauwerft: Friedrich Krupp Germaniawerft, Kiel
Baujahr: 1921
Länge über alles: 117,5 m
Breite: 14,9 m
Tiefgang: 6,5 m
BRT: 3476
Wasserverdrängung: 6148 t
Schiffrumpf Stahl genietet
Geschwindigkeit unter Segeln max. 18 kn
Stammbesatzung:55-60
Kadetten:110
Mitnahme 44 Trainees
Rufzeichen: UELO
IMO-Nr.: 7946356
Schiffsklassifikation:
Certification Association Russian Register

Viermastbark STS "Sedov"

Das größte traditionelle Segelschiff der Welt - Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde

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Mit freundlicher Genehmigung durch Stema-Service

Chronik:
Gebaut für Reederei Friedrich Adolf Vinnen in Bremen
unter dem Namen "Magdalene Vinnen"
Einsatz in der Salpeterfahrt nach Südamerika
und Weizenfahrt nach Australien.
1936 verkauft an den Norddeutschen LLoyd in Bremen
unter dem neuen Namen "Kommodore Johnsen"
Einsatz als Segelschulschiff
1945 nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparationsleistung an die damalige UdSSR
Die Sedov ist bis heute als Schulschiff der Technischen Universität Murmansk
mit Heimathafen Murmansk/Russland im Einsatz.
Im Sommer 2005 diente die "Sedow" als Drehort für den Fernsehfilm
"Der Untergang der Pamir".
Segelfläche: 4.195 m²
Zahl der Segel:32
was einer Leistung von etwa 8000 PS entspricht
Antriebstechnik:


Klüver:
19 - Vorstengestagsegel, 20 - Innenklüver, 21 - Außenklüver, 22 - Flieger
Vormast (Fockmast):
1 - Focksegel, 2 - Voruntermars, 3 - Vorobermars, 4 - Vorunterbram, 5 - Voroberbram, 6 - Vorroyal
Großmast:
7 - Großsegel, 8 - Großuntermars, 9 - Großobermars, 10 - Großunterbram, 11 - Großoberbram, 12 - Großroyal
Kreuzmast:
13 - Kreuzsegel, 14 - Kreuzuntermars, 15 - Kreuzobermars, 16 - Kreuzunterbram, 17 - Kreuzoberbram 18 - Kreuzroyal
Schratsegel vom Kreuzmast zum Besanmast:
, 27 - Besanstagsegel, 28 - Besanstengestagsegel, 29 - Besanbramstagsegel
Besanmast:
30 - Unterbesan, 31 - Oberbesan, 32 - Besangaffeltopsegel
Wäertsilä-Hilfsmaschine 1600 kw bei 1000 rpm

Geschwindigkeit ca. 12 Knoten






An der Gangway gab es keinen Kofferservice wie bei einem Kreuzfahrtschiff. Wir mussten unser Gepäck selber über die Gangway an Bord schleppen.


Foto: C. Koenig
Auf geht es zum "Dienstantritt".


Der Empfang war schlicht, Passabgabe beim 2. Offizier und dann wies man uns eine Kammer zu. Die von uns vorher gebuchte war noch besetzt, so dass wir uns für eine Nacht mit einem Ausweichquartier begnügen mussten. Die bereitgelegte Bettwäsche hatten wir selber aufzuziehen.

Unser erstes Essen um 12.00 Uhr an Bord bestand aus einer dünnen warmen Weißkohlsuppe, die in einem großen Alutopf auf dem Tisch stand. Dazu gab es einen fast kalten Hühnerschenkel mit Nudeln und ein Stück Gurke, ein Glas Birnensaft sowie Brot und Butter. Gegessen wurde in der Mannschaftsmesse. Die Suppe musste man sich selber auffüllen und auch das Geschirr hinterher abräumen. Über die Mahlzeiten an Bord mache ich zum Ende der Reise eine Zusammenfassung, weil es sich nicht lohnt, täglich darüber zu berichten.

Zwischenzeitlich waren die neuen Mitsegler an Bord eingetroffen. Sie kamen aus der Schweiz, aus Österreich, Finnland, Schweden, Russland und Deutschland. Unter Ihnen befanden sich auch 6 Frauen. Einige von Ihnen hatten bereits den Törn von Montevideo nach Ushuaia mitgemacht. Sie erzählten uns, dass das Wetter bei der Umsegelung von Kap Hoorn derartig windstill war, dass sie Schlauchboote ausgesetzt haben, um das Schiff zum Fotoshooting zu umrunden. Um Missverständnisse zu begegnen, muss hier darauf hingewiesen werden, dass die Sedov - von Montevideo kommend - erst zum Kap und anschließend durch den Beagle-Kanal nach Ushuaia gefahren ist.

Wir machten einen Erkundungsrundgang über und durch das Schiff, um uns mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut zu machen. Hierzu gehörten auch die Aushänge am schwarzen Brett.

Essenzeiten, wir gehörten zur Gruppe 2

Duschzeiten, getrennt nach Mann und Frau



Internationale Alarmsignale


Schiffstagesablauf und Verhaltensregeln:

Die Kabinen werden vom Trainee-Offizier zugewiesen. Die Koje ist mit der ausgegebenen Bettwäsche sofort zu beziehen. Vor dem Ausschiffen ist die Bettwäsche abzuziehen und auf den Boden neben der Eingangstür zu legen.

Die Duschen werden von Männern und Frauen gemeinsam genutzt. Bitte beachten Sie daher die vorgegebenen Duschzeiten!

Die Zeiten für Backen und Banken sind einzuhalten! Nur so ist der organisatorische Ablauf für die Küchencrew zu schaffen. Verlässt der letzte Kadett seine Bank, sollten auch die Trainees die Messe verlassen.

In der Messe wird keine Kopfbedeckung getragen! Ebensowenig sind Badelatschen, Ölzeug oder Schlafanzug erwünscht! Wie die Kadetten sollten auch die Trainees in sauberer, ordentlicher Kleidung erscheinen!

Auf dem Hauptdeck sind zwei Orte zum Rauchen ausgewiesen: direkt vor der Back an Steuer- und Backbordseite sowie achtern auf dem Poppdeck. Ansonsten ist das Rauchen an Bord streng verboten. Bitte keine Kippen über Bord werfen!

Werfen Sie keine Gegenstände in die Toilette! Toilettenpapier, Feuchttücher und Damenbinden kommen nur in den dafür vorgesehenen Eimer.
Kein Lärm am Steuerstand! Die Kommunikation zwischen Ruderwache und Brücke darf nicht beeinträchtigt werden.

Das Sitzen auf den Nagelbänken ist verboten!

Kartenhaus und Brücke dürfen nur mit Genehmigung des Wachhabenden betreten werden! Seinen Anweisungen sind widerspruchslos Folge zu leisten! Für das alleinige Erklettern der Masten und Rahen –nach der Riggeinweisung– ist vorher die Erlaubnis des Wachhabenden einzuholen! Jeder Trainee hat sich darnach zurückzumelden! Die Riggeinweisung ist für jeden Pflicht, der selbst ins Rigg aufentern oder bei Segelmanövern mithelfen möchte.

Kein Alkohol an Kadetten geben! Es darf mit den Kadetten geraucht aber kein Alkohol getrunken werden. Für die Kadetten gilt an Bord ein strenges Alkoholverbot. Ein Verstoß kostet den Studienplatz und bedeutet das Ende der Karriere!

Generell keinen Müll über Bord werfen!


Am Nachmittag verschlechterte sich das Wetter, es begann zu nieseln.

Abends ging es nochmals an Land, um die leckeren King Crabs zu essen.


"Sedov" bei Nacht in Ushuaia


Bereits gegen 21.30 Uhr begaben wir uns in unsere Kojent. Wir waren gerade eingeschlafen, da kam eine Lautsprecherdurchsage, dass alle neuen Trainees an Deck kommen sollten, um ihre Pässe abzugeben. Wir teilten dem verantwortlichen Offizier mit, dass er unsere Pässe schon hat. Damit war alles in Ordnung und wir konnten weiterschlafen.


Die erste Nacht an Bord habe ich gut geschlafen. Um 06.00 Uhr war Duschen angesagt und um 08.00 Uhr gab es Frühstück.

Die letzten Trainees, die bis Ushuaia gebucht hatten und noch an Bord geschlafen haben, verließen jetzt das Schiff. Wir konnten somit auch in die Kabine 5 umziehen. Sie verfügte über 6 Schlafplätze. Wir drei hatten jeweils die unteren Betten. Bei den anderen drei Personen handelte es sich um zwei Männer und eine Frau deutscher Nationalität.


Kabinenniedergang

Traineekabinengang



Kabineneingang

Eine der drei doppelstöckigen Kojen in Kabine 5.

Gemeinschaftswaschraum









Chris
. . . und das sind unsere drei "Obermieter"


Sibylle









Rainer


Um 09.45 Uhr hieß es Leinen los. Mit 58 Besatzungsmitgliedern, 102 Kadetten und 34 Trainees an Bord verließen wir bei herrlichem Sonnenschein und mit russischer Marschmusik Ushuaia. Der Regen hatte sich so schnell verzogen wie er gekommen war.


Leinen los, jetzt begann das langersehnte Abenteuer zum "Kap Hoorn".











Adios - Ushuaia

















Mit Maschinenkraft ging es durch den Beagle-Kanal


In Puerto Williams kam es beim Lotsenwechsel zu einen peinlichen Zwischenfall. „Wir hatten Ushuaia mit einem argentinischen Lotsen verlassen und - wie international üblich - hing die Gastflagge Argentiniens am vorderen Mast. In Puerto Williams, welches zu Chile gehört, musste erst die argentinische gegen die chilenische Gastflagge ausgewechselt werden, bevor die chilenischen Lotsen bereit waren, an Bord zu kommen. Das schlechte Verhältnis zwischen den beiden Staaten liegt weit zurück und hat ihre Ursachen in den Grenzverläufen der südlichen Regionen.
Wegen eines aufziehenden Sturmes in der Kap Hoorn Region kamen zwei chilenische Marineoffiziere als Lotsen an Bord, um bei Bedarf in die Bahia de Cook einzulaufen und dann durch die Schären Richtung Norden zu fahren. Die moderne Satellitentechnik macht es heute möglich.
In Chile ist es üblich, dass die Marine den Lotsendienst ausführt.


Chilenisches Antartica Lotsenboot.


Es ging durch den Beaglekanal in südöstlicher Richtung, vorbei an atemberaubenden Landschaften, kleinen Inseln und gestrandeten Schiffen.






Im Beagle-Kanal




Die MS "LOGOS", ist eines der vielen Wracks

. . . und so sah die MS "LOGOS" früher mal aus


MS "Logos" ex "Umanak"
Frachtschiff
Flagge: Singapur
Bauwerft: Helsingør Vaerft, Helsingør/Dänemark
Baujahr: 1949
Baunummer: 290
Größe in BRT: 2.319
Länge: 82 m
Breite: 13,4 m
Tiefgang: 5,5 m
1 Dieselmotor
Geschwindigkeit: 13,5 Knoten
Besatzung: 99 Personen
auf Grund gelaufen am 05. Januar 1988




Isla Martillo voller Pinguine



© by Google


Bei aufkommender Wolkenbildung und sinkenden Temperaturen nahe 0°C ging es in Richtung Südatlantik.



Im Kinosaal gab es am Abend eine ca. einstündige Filmvorführung.


Morgens gegen 06.00 Uhr erreichten wir Kap Hoorn. Die Maschine wurde abgestellt und man ließ das Schiff treiben. Die See war noch verhältnismäßig ruhig für diese Gegend. Um 07.00 Uhr passierten wir dann mit langsamer Kraft voraus das Kap Kurs West.


Ich am "Kap Hoorn"










Wolfgang, Udo und ich am Kap Hoorn, unser Traum ist wahr geworden


Um 08.00 Uhr gab es den ersten Segelalarm "All hands on deck!" Das galt ab jetzt auch für uns "drei".






Die ersten Segel wurden gesetzt und wir segelten am Kap zurück in östlicher Richtung.



Ich stand an der Reling und freute mich darüber, dass jetzt mein großer Traum, mit einem Großsegler um das Kap Hoorn zu segeln, in Erfüllung ging. Der Wettergott hatte auch ein Einsehen mit mir, denn das Wetter war für diese sonst so stürmische Gegend recht ruhig. In diesem Augenblick kam wie aus dem Nichts das 2010 gebaute chilenische Kreuzfahrtschiff "Stella Australis" aus Richtung der Navarino-Insel auf uns zu und umrundete die "Sedov" einmal. Was für ein Augenblick für uns und für die Passagiere auf der "Stella Australis"! – Hier begegneten sich nun zwei Schiffe, die vom Alter her fast 100 Jahre trennten!!! So eine Begegnung am Kap gibt es sicherlich sehr selten - wenn überhaupt. Das weckte bei mir große emotionale Gefühle. Ich war maßlos enttäuscht und konnte überhaupt nicht verstehen, dass sich –- wie früher während meiner Seefahrtzeit üblich –- die beiden Schiffe nicht mit dem Schiffstyphon "dreimal lang und/oder dippen der Flaggen" begrüßten. In diesem Moment war ich sehr traurig und verstand einfach nicht, warum es diese gute alte Tradition heute scheinbar nicht mehr gibt.












MS "Stella Australis"
Flagge: Chile
Bauwerft: Asenav in Valdivia/Chile
Baujahr: 2010
Größe in BRT: 4.500
Länge: 89 m
Breite: 14,6 m
Tiefgang: 3,3 m
2 Cummins (USA) Dieselmotoren je 1400 PS
Geschwindigkeit: 13 Knoten (max)
Passagiere: 210 Personen
Besatzung: ca. 63 Personen


Um 09.00 Uhr gab es den nächsten Segelalarm. Jetzt wurden die Segel so gebrasst, dass die Sedov eine Halse fuhr - eine seemännische Meisterleistung am Kap Hoorn - und wieder auf Kurs West gebracht wurde. Das heißt: wir fuhren nun ein drittes Mal am Kap Hoorn vorbei, aber näher als die anderen beiden Male. Jetzt konnten wir sogar das Kap Hoorn Denkmal - den Albatros - erkennen. Was für ein Erlebnis! Der Wind frischte merklich auf und die Temperaturen fühlten sich an wie im Tiefkühlhaus.














Größere Kartenansicht






Albatros-Denkmal am Kap Hoorn

Am Albatros-Denkmal am Kap Hoorn ist auf einer Tafel das Gedicht der Schriftstellerin Sara Vial aus Valparaiso eingraviert:

"Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet.
Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute,
die aus allen Meeren der Erde hierher kamen, um Kap Horn zu umschiffen.
Aber sie starben nicht in den tosenden Wellen.
Sie fliegen heute auf meinen Schwingen in dieEwigkeit
mit dem letzten Aufbrausen der antarktischen Winde."
<
Punkt 10.00 Uhr Ortszeit – querab von Kap Hoorn – habe ich die mir von Andy anvertrauten Galaxien der Künstlerin Astrit seiner Bestimmung übergeben.


Foto: W.Treiber
Noch habe ich die beiden Galaxien in der Hand

Foto: W.Treiber
Jetzt gehen sie über Bord - siehe oben rechts im Bild



Foto © by Sergej Apreljew
STS "SEDOV" am Kap Hoorn




Kurz vor 12.00 Uhr ging ich mit Wolfgang auf die Back. Wir konnten es nicht glauben, hier hatte sich doch tatsächlich jemand bei eisigen Temperaturen, einem strammen Wind und starkem Schlingern des Schiffes ins Netz unter den Klüverbaum gelegt. Just in dem Augenblick, als wir das fotografieren wollten, kam Erasmus (so nennt man bei der Seefahrt eine große Welle) an Bord. Wir gingen daraufhin so nass wie wir waren in unsere Kammer, um uns umzuziehen und die Cameras vom Seewasser zu reinigen.










Wolfgang beim Reinigen seiner Camera


Unter Segeln verlief die Reise entlang der chilenischen Küste in nördlicher Richtung.


Mit geschwollener Brust - wie ein Königs-Pinguin - marschiert Udo übers Deck


Seit Kap Hoorn werden wir von Riesensturmvögeln und Albatrossen begleitet.





Hall-Riesensturmvogel (Macronectes halli) Flügelspannweite 2 m

Schwarzbrauenalbatros (Thalassarche melanophris) Flügelspannweite 2,45 m


Am Nachmittag gab der Trainee und erfahrene Segler Otto T. die Bedeutung von "Besanschot an!" bzw. die englische Version von "Splice the main brace!" im Beisein des Kapitäns zum Besten.
Vorab hatte diesbezüglich ein Gespräch zwischen Otto T. Chris K. und dem 2. Maaten Grigori auf den alten Seemannsbrauch "Besanschot an!" stattgefunden. Es bedeutet soviel wie "Rum für die Wache!". Zum einen dürfen die Kadetten keinen Alkohol trinken, zum anderen ist aber ein Schluck nach getaner Arbeit oder am Ende der Reise eine lieb gewonnene Tradition. Wir haben Grigori also erläutert, dass dieser Schluck untrennbar mit der britischen und deutschen Seefahrertradition verbunden sei, und insofern das öffentliche Trinken eines Rums kein Kündigungsgrund sein dürfe.
Daraufhin gab Grigori sein ok, interessanterweise war ihm dieser ausgesungene Befehl unbekannt. Schließlich war Russland nie eine Seefahrtsnation.


Otto gibt die Geschichte zum Besten

Der Käpten hört gespannt zu



Udo beim Schluck aus der Rumflasche

...und Wofgang...

...und dann ich!








Um 21.00 Uhr gab es erneut Segelalarm. Alle Segel wurden aufgrund eines immer stärker werdenden Sturmes und dem dadurch notwendig gewordenen Kurswechsel in die Bahia de Cook eingeholt. Leuchtfeuer auf Stb wurde sichtbar.











Das Einholen der Segel während der Dunkelheit birgt sicherlich auch heute noch einige Risiken, obwohl sich gegenüber der traditionellen Segelschiffszeit heute vieles geändert hat. So sind die Segel und das Tauwerk aus Kuststoff, welches sich besser händeln lässt. Beleuchtung in den Masten erleichtern ebenso die Arbeit wie das Arbeitszeug, das den Matrosen heute zur Verfügung steht.


Die Fahrt in der Bahia Cook und durch den Canal Ballenero verlief ruhig. Beide Uferseiten wurden malerisch eingerahmt von den schneebedeckten Bergen der Schären.



Der neue Tag beginnt










Mal Sonne mal Wolken





Es ist saukalt.





Um 13.00 Uhr gab es Generalalarm, dreimal ein langer Ton. Alle Kadetten und Trainees mussten sich in Schwimmwesten an der Sammelstelle einfinden. Dort lagen Überlebensanzüge für jeden zum Anziehen bereit. Es war sehr schwierig für ungeübte Personen, in diese dicken, einteiligen, aus Neopren gefertigten Anzüge zu schlüpfen. Hier machte sich die kameradschaftliche Hilfe bezahlt. Nochmals von hier an alle, die mir dabei geholfen haben, ein herzliches Dankeschön.


Mit Schwimmwesten am Sammelplatz

Der "Kampf" mit den Überlebensanzügen


Bei kalten Temperaturen und einem strammen NNO-Wind, der von den Bergen herunter blies, erfolgte die Passage durch die Bahia Desolada. Nachmittags wurde es sehr stürmisch und es regnete das erste Mal auf diesem Törn. Abends ging es in den Canal Cockburn und dann in den Canal Magdalena.


Das Wetter wird schlechter

. . . und es wird dunkel


Aufgrund der widrigen Wetterverhältnisse suchten wir erstmalig die "Lenin-Bar" auf, die ausschließlich den Trainees vorbehalten ist. Wir tranken dort ein Glas Rotwein. Am Abend wurden mal wieder ein paar Kurzfilme im Kinosaal gezeigt.


Kaffee-Bar

Lenin wacht in der Bar

Udo schenkt den Wein ein








Foto: M. Cranfield
Der weiße Schwan "SEDOV" wurde eigens für den "Pamir-Spielfilm" in schwarz umgemalt.
Das Foto wurde am 26. Oktober 2002 in Marseille aufgenommen.



Foto: Olaf Malcke
. . . und so ist aus der "Sedov" die "Pamir" geworden



Nachts 01.00 Uhr ging es bei klarer Sicht vom Canal Magdalena in die westliche Magellanstrasse.

Um 07.00 Uhr kam Regen auf und der Wind nahm zu.

Unangenehmes kaltes Regenwetter

Udo und Wofgang fachsimpeln, worüber?




Egal wie kalt es ist. Die beiden scheinen nie zu frieren.



Begegnung mit einem in Ballast fahrenden Tanker unter Liberia Flagge.



Foto: R. Zimmer
Ein Gletscher an der Magellanstraße


Starker Wind und Regen kamen nun direkt von vorne.




Um 09.00 Uhr war es soweit. Wir verließen die Magellanstraße und fuhren in den Südpazifik. Hiermit war wiederum ein Segelalarm verbunden, bei dem die ersten Staksegel gesetzt wurden. Das Wetter war trocken, kalt und sehr windig.







Kurs seit 12.00 Uhr Mittag: 360° Nord.



SEDOV - Wappen







Um 13.00 Uhr erneut Segelalarm: Die unteren Rahsegel wurden gesetzt.







First Mate (1. Offizier) mit einem chilenischen Lotsen auf Wache







Um 16.00 Uhr noch einmal Segelalarm: Die Rahsegel wurden wieder eingeholt. Jetzt wehte ein leichter Westwind, Sonne und Wolken wechselten sich ab und es gab auch mal einen Schauer bei noch immer recht kühlen Temperaturen.

Am Abend waren mal wieder Inseln auf der Stb–Seite zu sehen.




Um 21.00 Uhr wieder Segelalarm: Es gab einen Kurswechsel und alle Segel wurden eingeholt.




Täglich Punkt 08.00 Uhr wird in einer Zeremonie die russische Nationalflagge von den Offizieren an die Kadetten zum Hissen übergeben.


Bei Sonnenuntergang wird sie wieder eingeholt - manchmal auch unter akrobatischem Einsatz


Um 08.30 Uhr gab es heute den ersten Segelalarm: Wieder wurden die Staksegel und zusätzlich 2 Focksegel gesetzt. Der Kurs wurde auf 340° geändert. Der Wind kam aus NNW bei Dauerregen.






Um 10.00 Uhr erneut Segelalarm: Jetzt wurden erstmals je 5 Rahsegel am Vor- oder Fockmast sowie am Groß- und Kreuzmast gesetzt. Bei frischer Brise aus NNW nahm unsere Bark das erste Mal gute Fahrt auf.









Am Vormittag war ein Rundgang durch das Schiffs-Museum angesagt. Hier befinden sich Bilder und Urkunden vom Stapellauf bis zur heutigen Zeit. Außerdem dokumentiert eine Biographie das Leben des Polarforschers und Namensgeber Georgi Jakowlewitsch Sedow. Ferner sind dort Wappen, Urkunden und Gastgeschenke aus allen Häfen der Welt ausgestellt.


Blick in das Schiffsmuseum der "Sedov"



Foto: R. Zimmer
Bildgalerie des Polarforschers und Namensgeber der "Sedov"
Georgi Jakowlewitsch Sedow



Stapellauf der "Magdalene Vinnen" am 21. März 1921







Schiffs-Messbriefe der "Magdalene Vinnen"
ausgestellt durch Deutsches Reich in Berlin am 9. Juni 1921 und
"Kommodore Johnsen" durch Deutsches Reich in Bremen am 23. Sept. 1941
mit handschriftlicher Übersetzung ins Russische


Gegen 16.00 Uhr wurde der Kurs auf 20° Nord gewechselt und die Segel entsprechend geriggt. Am Kreuzmast tauschte die Crew das Kreuzobermarssegel gegen ein neues aus.


Der Segelmacher bei der Arbeit am neuen Segel

Das alte Segel wird demontiert

Jetzt ist es fast geschafft



Die Beschichtung gegen UV-Strahlungen hat sich gelöst

Neues und altes Segel nebeneinander


Das neue Segel ist Made in Bremen

Das neue Segel wird zum Hochhieven vorbereitet



Das Segel auf dem Weg nach oben

Segel wird an der Rah befestigt

Trainees - egal ob Frau oder Mann -
bei der Arbeit in luftiger Höhe


Noch immer werden wir von Seevögeln begleitet.






Kapsturmvogel (Daption capense)


Um 23.00 Uhr gab es wieder Segelalarm: Da sich der Wind gelegt hatte, wurden alle Segel bis auf die beiden Focksegel eingeholt.


Heute hatten wir eine leichte Brise aus NW, ruhige See und es war trocken. Die Fahrt wurde mit Motorkraft fortgesetzt.



Die Restarbeiten am Kreuzobermarssegel,da es am Vortag einige Probleme gab.



Die einen arbeiten auf der Rah und die anderen schauen zu. Fast wie in Spanien - allerdings arbeitet dort meist nur einer und viele andere sehen zu und klopfen dazu noch dumme Sprüche.


Am Vormittag stand eine Besichtigung des Maschinenraumes auf dem Programm.

MAN-Diesel-Generator

Druckluftkompressor

Elektro Schalttafel



Alfa-Laval-Separatorenanlage

Kessel




8 Zylinder Wärtsilä-Diesel, Typ L20 mit 1600 KW bei 1000 rpm



Hauptmaschine

ZF-Untersetzungsgetriebe mit eingebauter Schaltkupplung



Propellerwellen- oder Stevenrohrstopfbuchse
Es könnte sich hier auch noch um das Original handeln.


Anlassluftflaschen



Info: Motor/Getriebe
Der Schiffhilfsantrieb besteht aus einem 8 Zylinder 4-Takt-Tauchkolbendieselmotor mit 1600 kw bei 1000 rpm. Der Motor wird angelassen und umgesteuert mit Druckluft von 30 bar. Da die Drehzahl von 1000 rpm zu hoch für einen Propeller ist, benötigt man ein Untersetzungsgetriebe. In der heute gängigen Seefahrt machen die Propeller je nach Größe des Schiffes zwischen 90 und 110 rpm. Auf dem Segelschiff herrschen jedoch andere Bedingungen vor. Zum einen kann man in den Maschinenraum keinen langsamlaufenden Dieselmotor einbauen, da deren Bauhöhe das nicht zulässt. Zum anderen würde ein damit verbundener größerer Propeller die Geschwindigkeit des Schiffes bei Fahrt nur mit Segeln ohne Zuhilfenahme des Hilfsmotors drastisch abbremsen bzw mindern. Daher setzt man ein Untersetzungsgetriebe ein. Das an Bord befindliche hat ein Ratio von 2,5. Das bedeutet, der Schiffspropeller macht 400 rpm bei der Nenndrehzahl des Motors von 1000 rpm. Bei Fahrt des Schiffes nur mit Segeln wird der Motor von der Schiffschraube durch eine im Getriebe befindliche Kupplung getrennt. Der Propeller dreht sich dann frei im Wasser und verhindert das Abbremsen des Schiffes. Heute würde man sicherlich die durch "Wind" angetriebene Propellerwelle mit einem Wellengenerator zur Stromversorgung ausrüsten.



Foto: C. Koenig

Foto: C. Koenig
Udo und ich beim Fotoshooting unter Aufsicht von Sibylle. Von dieser außergewöhnlichen Frau später mehr.


Trotz des hohen Alters der Sedov muss sie die international durch die IMO vorgeschriebenen Umweltauflagen erfüllen. Hierzu gehören unter anderem eine Müllverbrennungsanlage genau so wie ein Fäkalientank.

Die Müllverbrennungsanlage qualmt und stinkt zeitweise erbärmlich.

Der Fäkalientank


Begegnungen mit modernen Fischfängern bzw. Fischfabrikschiffen entlang des kalten und fischreichen Humboldtstromes.




Heute sahen wir die ersten Delphine und Wale . . .





Sind es Finnwale oder gar Blauwale?





. . . wo sind denn die Wale?




Um 17.00 Uhr war mal wieder Segelalarm. Die Staksegel wurden gesetzt. Der Kurs war weiterhint 20° Nord.




Eigentlich sollten mal wieder Filme im Kinosaal gezeigt werden, aber es war auch diesmal eine falsche Information. Wir drei und Jens L. machten so aus der Not eine Tugend. Es wurde eine Flasche Rotwein geöffnet, Jens setzte sich ans Klavier und wir genossen den Abend.



Heute frischte der Wind etwas aus NW auf. Es war weiterhin sehr kühl, bewölkt und wir hatten zeitweise Regen. Der Kurs war jetzt direkt Nord und es ging wie am Vortag mit Staksegeln und Motorkraft voran.

Vormittags besichtigten wir die Segelmacherei und die Tischlerei im Vorschiff unter der Back.


Segelmacher-Store

Igor, der Segelmacher bei der Arbeit

Segel-Nähmaschine



Zimmermannswerkstatt


Unsere tägliche Siesta musste sein.





Am Nachmittag machten wir mal wieder einen ausgiebigen Rundgang über das Schiff.


Allgemeiner Trimmdichraum

Einer der Kadetten-Schulungsräume



Kadettenunterkunft


Es gab mal wieder Wale zu sehen. Alles stürmte auf die Back, um diese Giganten der Meere zu fotografieren.



Buckelwal











Finn- und/oder Blauwale
Auf diesem Weg möchte ich Frau Katharina Heyer von firmm (foundation for information and research on marine mammals - Walbeobachtung in der Straße von Gibraltar) für die Bestimmung der Wale meinen Dank aussprechen.





Valerij, der Sedov-Fotograf (Public Relation Officer) beim Wal-Fotoshooting


Am Abend stand die eigentlich für gestern angekündigte Filmvorführung im Kinosaal auf dem Programm. Unter anderem gab es einen Beitrag über das Wirken und Treiben auf der SEDOV zu sehen. Es wäre angebracht, die Passage zu ändern, in der gezeigt wird, wo bei relevanten Sicherheitseinrichtungen die Gummidichtungen mit weißer Farbe übergemalt werden.
Der heutige Tag begann mal wieder mit Nieselregen und Flaute. Gegen 10.00 Uhr änderte sich jedoch das Wetter in einen freundlichen Sonne-Wolken-Mix bei erstmals angenehmen Temperaturen.


Mit den steigenden Temperaturen stieg auch bei uns die Stimmung.




. . . mal Sonne mal Wolken



Das milder werdende Klima wirkte bei fast allen, egal ob Trainee oder Stammbesatzung, wie ein Frühlingserwachen.


Werner

Ralf

Bootsmann Nikolay



Die beiden RR's - Reiner und Ralf

Matrose Yury

Stewardess



Paul und Franz

Chris und Udo



Schiffsarzt

Otfried

Russischer Journalist



Matrosen beim Aufpolieren ihres Gitarrengehäuses

Georg und Sibylle


Auf See überholte uns das Amphibien- und Landungsschiff MS "Sargento Aldea" der Chilenischen Marine.



MS "Sargento Aldea" ex. "Foudre"
Armada de Chile
Bauwerft: DCN, Brest/Frankreich
Baujahr: 1988/90
Identifikation: LSDH-91 Größe 12.000 tons
Länge: 168 m
Breite: 23,5 m
Tiefgang: 5,2 m
2 SEMT Pielstick 16 PC 2.5 V400 Dieselmotoren
Leistung: 20800 hp (15290 kW) 2 Verstellpropeller, 1 Bugstrahlruder
Geschwindigkeit: 21 Knoten (max)
5 SACM-Unidiesel Hilfsdiesel, Elektrische Leistung: 4,250 kW (5 × 850 kW)
Besatzung: 160


Entdeckung eines Kleinods an Bord
Ich machte bei einem erneuten Erkundungsrundgang über Deck eine für mich erstaunliche Entdeckung. Mit fast 100%iger Sicherheit handelt es sich beim Ankerspill um das Original, welches von den Atlas-Werken in Bremen gebaut wurde. Das Fabrikschild ist allerdings nicht mehr vorhanden. Für mich eine ganz besondere Freude, denn ich habe dort meine Lehre gemacht und später viele Jahre als Betriebsingenieur gearbeitet. Das ist aber noch nicht alles: Die Ankerstegkette ist scheinbar auch das Original, denn sie ist noch eine gegossene Ausführung - eine "Rarität"! Das Gießen von Ankerstegketten war damals eine große technische Meisterleistung. Heute werden nur noch geschweißte Ketten in höchsten Güteklassen für Schiffe und Offshore hergestellt. Zur Zeit recherchiere ich noch, wer der damalige Kettenhersteller war.









Käpten und der chilenische Lotse
sind auf die Kreuzroyalrah geklettert, Bild rechts





Beide geniessen den Blick von oben


Um 19.00 Uhr gab es bei einem aufrischenden kühlen Südwind erneut Segelalarm. Die Rahen wurden gesetzt.



Der Bootsmann gibt seiner Crew Anweisungen zum Segel setzen.




Das neue Segel sieht noch richtig jungfräulich aus.
Es ist das erste Mal auf dieser Reise, dass wir "nur" segeln. Zuvor lief immer die Hilfsmaschine zur Unterstützung mit. Das war im Beagle-Kanal wegen der vielen Windungen und Untiefen aus Sicherheitsgründen notwendig. Bei der Fahrt um das Kap mussten wir einen aufziehen Sturm enteilen und bei der Fahrt durch die Schären und die Magellanstraße war es wegen der Untiefen, Strömungen, Fallwinden und Kurven unabdingbar. Beim weiteren Törn nordwärts entlang der chilenischen Küste wurde die Maschine wegen Flaute oder ungünstiger Windverhältnisse benötigt.

Jetzt, wo der Törn so richtig unter weißen Segeln begann, gehörte der Shanty "Windjammer" dazu. Nur die "SEDOV" unten anklicken!



Die "SEDOV" durchpflügt das Meer


Leider habe ich bei der Fahrt unter Segeln bei steifen Wind und Seegang, die typischen Geräusche vom schweren Arbeiten und Stöhnen der Masten und Rahen, das Quietschen und Ächsen der Taljen und Tampen der Takelage vermisst. Oder habe ich das wegen meiner schlechten Ohren nicht gehört?


Foto: C. Koenig
Aufgrund des schönen Tages genoss ich mal wieder am Raucherplatz des Achterschiffes eine gepflegte "HAVANNA".



Foto: C. Koenig
Sonnenuntergangsstimmung


Auch heute war ein Filmabend im Kinosaal angesagt. Dokumentarfilme über Tiere und Landschaften sowie über unser Schiff waren sehr interessant. Aber heutzutage noch russische Propagandafilme aus der Zeit des kalten Krieges zu zeigen, ist nicht mehr zeitgemäß. Ich verließ den Saal und ging auf das Achterschiff und schaute mir - wie so oft auf dieser Reise - das "Kreuz des Südens" an. Das weckte bei mir Emotionen früherer Seefahrt- und Urlaubszeiten.


Bildquelle: Axel Mellinger, planetarium-berlin.de
Ich genoss den Sternenhimmel . . .


Foto: C. Koenig
. . . und Rainer den Glimmstengel



03.00 Uhrgab es mal wieder Segelalarm. Die 3 Ober- und Unterbramsegel wurden eingeholt. Der Wind kam mit 7 Beaufort direkt aus Süd und unser Kurs war weiterhin 360 Grad Nord.


Foto: R. Zimmer
Mit meinen 91 Jahren sehe ich immer noch schnittig aus, oder?
                                                                                


Auf der Brücke
Aufgrund des schönen Wetters ging es heute auf die Kommandobrücke.






Panoramablick von der Brücke




Moderne Technik in der Kommandozentrale




Brückensteuerstand für die Hilfsmaschine. Im Bild rechts oben sieht man, dass der Motor außer Betrieb ist, die Schiffsschraube aber ca. 100 rpm macht. Wie bei meiner Maschinenraumbesichtigung unter Info Maschine/Getriebe beschrieben, wird der Propeller durch eine Kupplung von der Maschine getrennt. Der Propeller dreht sich im Leerlauf aufgrund der Schiffsgeschwindigkeit.



SAR-GPS-Boje. Bei einem Schiffsuntergang lösen sich die Geräte, schwimmen an der Wasseroberfläche und können mittels GPS geortet werden.


SOLAS-Comet-MOB-Boje (Mann-über-Bord)

Sea-Tel-Satellitennavigation

HEADWAY Simplified Voyage Data Recorder



Blick von der Brücke auf den Steuerstand



Ist Wolfgang der neue Wachhabende am Ausguck?


Anschließend ging es zu den heiligen Räumlichkeiten des Kapitäns.


Foto: R. Zimmer
Kapitäns-Arbeitszimmer

Foto: R. Zimmer
Kapitän-Salon



Offiziersmesse

Am Bb und Stb Gang befinden sich die Offiziersunterkünfte

Stewardess der Offiziere


Ab 14.00 Uhr gab es nur noch strahlend blauer Himmel und weiterhin achterlichen Wind mit 6-7 Beaufort.


Foto: C. Koenig


Nun war es auch an der Zeit, ein weiteres Versprechen einzulösen, das ich dem Künstler Andreas aus Halberstadt vor Beginn meiner Reise gab. Er gab mir ein aus farbigem Kristall gefertigtes Glückshormon unter der Bedingung mitgegeben, dem Zeitpunkt meines größten Glücksgefühl auf einem Foto festzuhalten und ihn dieses zuzuschicken. Anschließend sollte ich dieses Glückshormon unter den gleichen Bedingungen weitergeben. Meine Entscheidung fiel auf Paul, der beabsichtigte, von Valparaiso aus als Invidualtourist noch quer durch Südamerika bis Equador zu reisen. Er wird daher noch viel erleben und das Glückshormon als Talisman bei sich tragen.




An Bord eines Schiffes gibt es immer etwas zu tun. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Arbeit von der Stammbesatzung oder von den Trainees ausgeführt wird.

Fetten des Rudergestänges

Store für Fette und Öle



Takelage erneuern

Wartungs-Arbeiten



Seile bekleiden

Malen



Spleissen

Schweissen



Zimmermannsarbeiten

Entrosten



Für manche ist das Rauchen auch eine harte Arbeit

Hose trocknen am warmen Maschinenraumlüfter


Das schöne Wetter von gestern warh über Nacht in Nieselregen und Flaute umgeschlagen. Um 09.00 Uhr gab es Segelalarm und alle Segel wurden eingeholt. Mit Maschinenkraft fuhr das Schiff mit Kurs 30° Nord in Richtung Valparaiso. Um 10.00 Uhr gingen Wolfgang und ich wegen starker Halsschmerzem zum Bordarzt. Wir waren beide sehr erstaunt über die Größe, Sauberkeit und die moderne Ausrüstung des Bordhospitals. Nach eingehender Untersuchung verabreichte uns der Arzt - welcher sehr nett war - einige Medikamente. Behandlung und Arzneien waren kostenfrei.

Vor Erreichen von Valparaiso wurde an Deck geputzt, geschrubbt und gemalt, denn es wurde der russische Botschafter aus Chile erwartet.





Deck schrubben vom Steven bis zum Heck



Malen

Waschen und Reinigen




Messing putzen




Mit unserer Zimmerkollegin Sibylle wurde an Deck ein Interview gefilmt. Ach ja Sibylle:
Noch vor zwei Tagen sprach Sibylle uns an und lobte ihre fünf männlichen Zimmergenossen - dazu gehörten auch wir drei - weil wir die ersten waren, die nachts nicht schnarchen. Das hätte sie besser lassen sollen, denn alle - dazu gehörte wohl auch ich - holten das Schnarchen in der folgenden Nacht in voller Inbrunst nach. Wir wurden daraufhin mit nicht sehr höflichen Worten zur Mäßigung ermahnt, was aber nichts half. Kurz entschlossen packte sie Ihr Nachtzeug zusammen und zog aus.
Wir drei müssen Ihr jedoch ein großes Lob aussprechen. Bei fast jedem Segelalarm stand sie an forderster Front und kletterte bei Wind und Wetter auf die Rahen zum Segel setzen oder einholen. Diese Reise war ihre "zweiundzwanzigste". Seit sage und schreibe 22 Jahren macht sie mindestens eine Reise pro Jahr mit der Sedov. Sie managt in NRW ein erfolgreiches mittelständisches Unternehmen in der IT-Branche und kann sich deswegen diese Reisen erlauben. Aus diesem Grunde wurde das Interview mit Sibylle an Bord gemacht. Wir drei zollen dieser tollen Frau großen Respekt und wünschen Ihr für die Zukunft alles Gute.


Foto: R. Zimmer
Sibylle beim Interview


Ab 16.00 Uhr dümpelten wir ohne Anker zu werfen in sicherer Entfernung zur Küste vor der Bucht von Valparaiso. Die Crew nutzte diese Gelegenheit zum Angeln. Ein paar große Tintenfische war die Ausbeute.



Zur gleichen Zeit wurden an Bord und auf See Filme zu Sedov-Werbezwecken für Weihnachten und Jahresausklang gedreht.





Fast zur gleichen Zeit rettete sich ein Chirihue (Sicalis luteola) fern von der Küste auf die Takelage der "Sedov".



Ob der Vogel am nächsten Morgen das Land lebend wieder erreicht hat, entzieht sich unserer Kenntnis.


Auf der Brücke haben der wachhabende Offizier sowie der chilenische Lotse und ich auf der Seekarte die Stelle des Untergangs der MS "Northern Breeze" ex. "Westfalen" versucht ausfindig zu machen. Leider waren auf der Karte die Wracks nicht namentlich vermerkt und der Lotse konnte sich an die soweit zurückliegende Katastrophe nicht erinnern.

Seekarte von Valparaiso und Viña del Mar


Wegen des Wracks blieb mir keine andere Wahl als mich in Valparaiso im Office von Lloyds Register of Shipping - meinem früheren Arbeitgeber - zu erkundigen.

Bei einem weiteren Zusammentreffen mit dem Lotsen fragte ich ihn nach einem exzellenten Fischrestaurant, worauf er mir das direkt am Hafen liegende Restaurant "Bote Salvavidas" empfahl.

Unterhaltung mit dem chilenischen Lotsen


Am Abend fanden sich zum Abschluss der Reise erstmalig alle Trainees im Leninraum zu einem kleinen Umtrunk ein. Von der Schiffsleitung wurde jedem Trainee ein Sedov-Bildband mit persönlicher Widmung des Kapitäns überreicht. Die Fotos dieses 400-seitigen Buches wurden vom Bordfotografen Valerij Vasilevsky (Public Relation Officer) während seiner 5 Jahre an Bord gemacht. Auch auf der Reise von Ushuaia nach Valparaiso befand er sich auf der "Sedov".

Bildbandübergabe vom 2. Offizier Grigory mit Unterstützuung von Otto



Einband des Sedov-Buches von Valerij Vasilevsky

Widmung vom Kapitän und 2. Offizier
Mit dem Einlaufen in Valparaiso ging unser Törn nach 1872 Seemeilen zu Ende.

Der Hafenlotes von Valparaiso kommt an Bord

Panorama von Valparaiso


Um 08.00 Uhr gab es für uns das letzte Frühstück an Bord und somit ist es auch an der Zeit, über die Verpflegung unserer Reise ein paar Anmerkungen zu machen.
Wie eingangs erwähnt gab es vier Mahlzeiten. Die Kadetten und Trainees waren in zwei Gruppen aufgeteilt. Laut Plan standen jeder Gruppe 30 Minuten zum Essen zur Verfügung. Das stimmte aber nicht, denn die einzige Bedienung war für 2 mal 80 Personen zuständig.

Tischreihen 1 bis 3 sind den Kadetten vorbehalten
und die letzte Reihe für die Trainees.


Sie musste die Tische - soweit es nicht von den Kadetten und Trainees gemacht wurde - abbacken (abräumen), säubern und neu auftischen. Hierfür wurden ca. 10 Minuten benötigt, so dass die reine Essenszeit lediglich 20 Minuten betrug. Beim Frühstück - es überwiegend nur Brot, Butter, Käse oder Wurst, Marmelade und Tee - reichten diese 20 Minuten aus. Am Seemannssonntag, das ist traditionell der Donnerstag, gab es pro Person zwei steinhart gekochte, kalte Eier.

Unsere Stewardess Aleksandra

Eier am Seemannssonntag






Fotos: C. König
Uns schmeckt das Frühstück






Frühstückstisch

Das Brot wurde an Bord gebacken und schmeckte sehr gut. Allerdings passierte es beim Schneiden mit dem Messer von Hand desöfteren, dass die Scheiben unterschiedlich dick ausfielen.


Zu den Mahlzeiten um 12.00, 16.00 und 20.00 Uhr stand fast immer ein Alu-Topf mit "warmer" Suppe ohne viel Einlage und ein Kessel mit Tee zur Selbstbedienung auf dem Tisch bereit.







Die Hauptmahlzeit war auf Tellern angerichtet.

Der Tisch ist gedeckt

. . . es gab Hackbraten mit Graupen.


In der Regel war das Essen schon kalt. Die Gerichte bestanden überwiegend aus einem Stück Fleisch, Frikadelle, Fisch, Hühnerschenkel etc. mit Graupen oder Buchweizen als Beilage. Ab und zu gab es mal einen Apfel, einen Salat, eingelegte Tomate, ein Stück frische Gurke oder ähnliches.

Als Salzheringe mit Pellkartoffeln serviert wurden, war dies für die meisten Trainees ein absolutes Greuel. Umsomehr freute man sich über die Tafel Schokolade mit Mandeln und Rosinen.

Die Salzheringe mit Pellkartoffeln waren für mich ein absolutes Highlight und haben mir gut geschmeckt. Die Schokolade habe ich allerdings verschenkt.


Zu den Mahlzeiten um 12.00 oder 16.00 Uhr gab es anstatt Tee ein Glas Fruchtsaft. Hin und wieder lag auch schon mal eine Tüte mit Keksen oder Konfekt zur Abwechselung beim Essen.
An dieser Stelle soll auch mal gesagt werden, an Bord hat keiner gemeckert, alle sind satt geworden. Schließlich handelt es sich hier um ein Ausbildungs- und nicht um ein Kreuzfahrtschiff.
Von der Pantry zur Küche gab es keinen direkten Zugang. Das Essen musste von den Kadetten in großen Kübeln von der Küche über eine steile und enge Treppe zur Pantry gebracht werden. Bei Seegang eine große Herausforderung.
Ein Tipp von mir: Wäre es nicht angebracht, die Beilagen von Graupen, Buchweizen etc. - so wie es bei der Suppe üblich ist - in Töpfen auf der Back zu servieren? Es kann sich dann jeder soviel nehmen wie er möchte. Es tat mir in der Seele weh, wenn ich sah, dass bei jeder Mahlzeit mehr als die Hälte der Beilage in der Fulbrass landete und anschließend über Bord ging.




Nach dem Frühstück packten wir unsere Koffer. Wir wollten so früh wie möglich von Bord gehen. Gegen Mittag hatte sich nämlich das ZDF und Arte zu einem Interview an Bord angemeldet und da wollten wir schon das Schiff verlassen haben.


Das Zusammenlegen der Hemden hat Gisela dem Udo bestimmt vor der Abreise beigebracht.


Wir warteten eigentlich nur noch auf die Rückgabe unserer Reisedokumente. Die von uns vorab bezahlte Urkunde über den Reiseverlauf der "Sedov" von Ushuaia über Kap Hoorn nach Valparaiso hatten wir bereits augehändigt bekommen.


Reiseverlauf unseres Törns von Ushuaia rund um Kap Hoorn nach Valparaiso.


Um 11.00 Uhr hatten sich die Trainees und Besatzungsmitglieder im Kinoraum einzufinden, die in Valparaiso von Bord gehen wollten. Dort sollten uns die Reisepässe mit der Tarjeta de Tourismo von Chile und unsere Seefahrtsbücher ausgehändigt werden. Verbunden mit der Rückgabe der persönlichen Dokumente war allerdings die Bezahlung des im Getränkebuch eingetragenen Konsums. Udo, Wolfgang und ich hatten uns schon bei der Entgegennahme dieses Getränkebuches gefragt, ob da wohl alle korrekt eintragen? Diese kleinen Bücher lagen für alle zugänglich im Leninraum bis zum Abreisetag frei herum. Es konnte sich somit jeder ein neues Buch nehmen und die Eintragungen nach seinen Wünschen ändern. Da wir drei zufälligerweise in der vordersten Reihe im Kinosaal saßen, bestätigte sich unsere Vermutung, dass anhand der bezahlten Summen etwas nicht stimmte. Es ist bedauerlich, dass das von der Besatzung in die Trainees gesetzte Vertrauen missbraucht wurde.

Warten auf unsere Reisdokumente


Unsere Anmerkungen sollen keinesfalls als Kritik bei der Schiffsleitung verstanden werden, sondern lediglich als Anregung zu Verbesserungen dienen. Eine von der Schiffsführung für den Leninraum verantwortliche Person könnte dieses Problem umgehend beseitigen. Süßigkeiten, Knabbereien etc, die von vielen vermisst wurden, kann man dann auch mit in das Sortiment aufnehmen. Ausgabe erfolgt - wie im Souveniershop - zu bestimmten Zeiten.


Seefahrtbucheintrag


Nachdem wir nun alles erledigt hatten und von Bord gehen wollten, wurden wir von der Besatzung daran gehindert. In diesem Augenblick erwartete man den russischen Botschafter. Da machten die mit Gepäck an der Gangway wartenden Trainees neben den uniformierten, in Reih und Glied aufgestellten Stammbesatzungsmitgliedern natürlich keinen guten Eindruck.

Kadetten in Reih und Glied bei der Einlaufprozedur


Die Sedov machte am Terminal 2, Liegeplatz 8 der Muelle Prat fest. Der Name Prat stammt von dem chilenischen Fregattenkapitän und Seehelden Arturo Prat Chacón, der beim Seegefecht mit Peru auf der Korvette "ESMERALDA" im Jahr 1879 gefallen und mit ihr untergegangen ist.


Empfangskomitee mit Marinemusikkorps an der Pier


Wir warteten also geduldig etwas abseits des Geschehens. Der Botschafter Michael Orlovets mit Gattin fuhren kurz darauf mit einer Mercedes Limosine vor und wurden an Bord mit der russischen Nationalhymne von der salutierenden Besatzung empfangen.

Aufstellung zum Empfang des Botschafterpaares



Kapitän wartet auf seine Gäste

Das Botschafterpaar auf dem Weg an Bord


Nach einer kurzen Verabschiedung der sich noch an Bord befindlichen Trainees konnten wir das Schiff verlassen. Auf der Pier wurden wir vom Zoll und einem Drogenschnüffelhund in Empfang genommen. Der Hund schüttelte mit dem Kopf als wollte er sagen: "Die drei Personen sind sauber". Trotz alledem mussten wir unsere Koffer öffnen. Es gab auch hier keinen Grund zur Beanstandung. Von der Zollbeamtin ließen wir zum Abschied noch ein Foto mit uns und der Sedov im Hintergrund machen und verließen anschließend das Hafengelände.


Ankunft in Valparaiso und Abschied von der "SEDOV"


Unterwegs begegneten wir einem Herrn, der uns ansprach und mit einer Broschüre für das Restaurant "Hamburg" warb. Meine Frage, ob er der Besitzer sei, bejahte er. Es handelte sich um Herrn Scheuber, der schon seit 30 Jahren in Valparaiso lebt. Er empfahl uns - wie sollte es auch anders sein - mal bei ihm zu essen. Ich nutzte diese kurze Unterredung, um ihn nach dem Wrack der "Northern Breeze" zu fragen. Aufgrund seiner Antwort, dass von dem gestrandeten Schiff nichts mehr zu sehen sei, konnten wir uns den Weg zum Lloyds Büro sparen.


Udo, Herr Scheuber - Besitzer vom Restaurant Hamburg - und ich


In der nächstgelegenen Wechelstube tauschten wir noch einige Euros in chilenische Pesos, bestiegen ein Taxi und ließen uns zum "Hotel Puerto de Alcala" bringen.

Valparaiso - auf deutsch "Paradiestal" - ist die bedeutendste Hafenstadt Chiles, hat 278000 Einwohner, liegt an der südlichen Seite einer Bucht und ist direkt mit der an der nördlichen Seite der Bucht gelegenen Stadt Viña del Mar verbunden. Sie ist Sitz des chilenischen Parlaments, der Congreso Nacional (Nationalkongress). Sie gilt als kulturelle Hauptstadt Chiles. Im Juli 2003 wurde der historische Stadtkern mit seiner Architektur aus dem 19. und 20. Jahrhundert von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Die Entfernung zur Hauptstadt Santiago de Chile beträgt 120 km.

Am Nachmittag gingen wir zuerst zum Restaurant Bote Salvavidas, bestellten dort für 20.00 Uhr einen Tisch und unternahmen dann einen ausgiebigen Stadtbummel.


Ein herrlicher Blick vom Restaurant aus auf die "SEDOV"



Torre de Reloj (Uhrenturm)

Bibliothek

Denkmal an der Plaza Sotomayor
für Arturo Prat und die Helden von Iquique


In einer Seitenstrasse der Plaza Sotomayor aßen wir in einem typisch einheimischen Restaurant.




Mit der ältesten Standseilbahn "Concepción" der Stadt - gebaut 1883, Höhenunterschied 47 m, Länge 69 m - fuhren wir von der Calle Prat zum Paseo Gervasoni auf den Berg Concepción.















Um 20.00 Uhr trafen wir uns mit meinem Namensvetter Ralf aus Frankfurt im "Bote Salvavidas" (auf deutsch Rettungsboot). Das Essen und das Ambiente waren sehr gut. Natürlich gab es als Aperitif einen Pisco sour, als Vorspeise Cevice und als Hauptgericht Rosada (Genypterus blacodes). Als Absacker gönnten wir uns einen guten Brandy.







Nochmals ein schöner Blick von der Restaurant-Terrasse aus auf die jetzt beleuchte "SEDOV".




Direkt nach dem Frühstück im Hotel machten wir uns auf den Weg zur Metrostation "Puerto" und fuhren von dort an der Küste entlang bis zur Station "Viñas" in Viña del Mar.



Udo und Wolfgang besichtigten eine direkt an der Haltestelle befindliche Kirche.



Ich nutzte die Zeit um die Umgebung für unser weiteres Vorgehen zu inspizieren. Wir einigten uns, den nahe gelegenen Park "Quinta Vergara" zu besuchen. Die Anlage ist sehr großzügig und wunderschön angelegt. Alle Bäume, Sträucher und Blumen sind mit sehr gut lesbaren Hinweistafeln gekennzeichnet.





Eine der vielen hölzernen Namenstafeln


Der Park war das Anwesen der Vergara Familie, die im dortigen Palacio residierte.

Palacio "Vergara"


In einem Teil des Parks steht ein großes Amphitheater mit einer Kapazität von 15000 Plätzen. Im Sommer finden dort "OPEN-AIR-Konzerte" statt.








Da dort am nächsten Abend, dem 14. Oktober 2012, ein Frühlings-Musikfestival stattfinden sollte und wir dieses Ambiente und die Akustik miterleben wollten, bemühten wir uns, in Viña del Mar Eintrittskarten zu bekommen. In der städtischen Bibliothek hörte ein Angestellter von unserem Wunsch. Obwohl das Konzert ausverkauft war, bot er uns seine Karten an. Das ließen wir uns nicht dreimal sagen und griffen zu.

Eintrittskarte für das Amfiteatro


Wir schlenderten dann durch den Ort und suchten ein einheimisches Restaurant auf. Bei der Bestellung gab es eine kleine Unstimmigkeit und die Chefin kam an unseren Tisch. Zu unserer Überraschung sprach sie deutsch. Da auf der Speisekarte "Palmitos" standen, war für uns drei klar, was wir uns zu Essen bestellten. Wir erfuhren später, dass sie schon über dreißig Jahre in Chile lebt und ihr Sohn eine kleine Brauerei in den Bergen nahe Santiago betreibt. Auch hier fragten wir nochmals nach dem Wrack, das wir suchten. Aber von ihr kam die gleiche Antwort: Es ist von dem Schiff nichts mehr zu sehen. Wir gingen anschließend die Avenida Marina hinunter, am Sheraton Hotel vorbei bis zur Reloj de Flores.

Estero Marga Marga

Avenida Marina




Pelikane am Sheraton-Hotel.



An der Haltestelle Miramar stiegen wir in die Metro und es ging zurück nach Valparaiso.

Metro von Valparaiso


Wir gingen direkt zur Plaza Aduana und fuhren dann mit der Ascensor Artilleria - Länge 175 m, Höhenunterschied 80 m - zum Marinemuseum.


Standseilbahn Artilleria zum Marinemuseum.




Museo Naval.

Das Museum ist sehr interessant, aber leider kann man in den Räumlichkeiten wegen widriger Lichtverhältnisse sehr schlecht Fotoaufnahmen machen.


Auch der "Pamir" hat man ein Thema gewidmet.


Alter Maschinentelegraph mit Hubzähler

Museum-Innenhof


Vom Cerro Artilleria (Artilleriehügel) hatte man einen tollen Ausblick über den Hafen bis hin nach Viña del Mar.

Bucht von Valparaiso


Hier etwas für Nostalgiker. So sahen der Hafen und die Standseilbahn "Artilleria" während meiner Reise im Jahr 1962 mit der MS "BARBARA" aus.

Foto: H-W. Bauer

Foto: H-W. Bauer


Bevor wir unseren Rückweg nach unten starteten, entdeckten wir diese herrliche Bodega, in die wir einkehrten und einen vorzüglichen chilenischen Medoc tranken.






Den Weg nach unten machten wir zu Fuß, um uns die bunten Häuser des Weltkulturerbes der UNESCO anzusehen.









Unten angekommen, wollten wir eigentlich wieder das gleiche Restaurant aufsuchen, in dem wir am Vortag zu Mittag gegessen hatten, einkehren. Bedauerlicherweise schloss es einer halben Stunde später, so dass wir dort nur noch einen Pisco sour trinken konnten.


Die zwei Gesichter von Valparaiso.
Wir schlenderten in Richtung Hotel, um eines der vielen auf dem Weg dorthin gelegenen Restaurants aufzusuchen. Je näher wir zum Hotel kamen, um so mehr Studenten versammelten sich auf den Straßen zu Protesten gegen die chilenische Bildungspolitik. Viele Restaurants waren geschlossen und die anderen bis auf den letzten Platz besetzt. Erst spät am Abend hatten wir Glück, in einem Parillarestaurant einen Tisch zu bekommen. Eine weitere Alternative wäre das in der Nähe gelegene "Hamburg Restaurant" - wo noch genügend Tische unbesetzt waren - gehen können, aber weder Udo, Wolfgang und ich gehen im Ausland nie in ein deutsches Restaurant.
Das Essen im Parillarestaurant war gut und reichhaltig. Nachdem wir das erste Stück Fleisch und eine Wurst bzw. einen Hühnerschenkel gegessen hatten, waren wir mehr als satt. Eine 4-köpfige Familie vom Nachbartisch, die ein Auge auf unsere beiseite gestellte Parillaplatte geworfen hatte, fragten wir, ob sie diese haben möchten. Sie nahmen unser Angebot dankend an. Die Riesenportion Fleisch, die man uns serviert hatte, reichte gut und gerne für 7 Personen.



Beim Essen haben wir nochmals über unser morgen anstehendes Konzert im Amfiteatro diskutiert und sind einstimmig zu dem Entschluss gekommen, dort nicht hinzugehen, sondern wie ursprünglich geplant, nach Santiago zu fahren.


Da wir erst gegen Mittag nach Santiago fahren wollten, machten wir vom Hotel nochmals einen Spaziergang in nördlicher Richtung bis zur Standseilbahn Espiritu Santo, die allerdings außer Betrieb war. Wir gingen die steilen und verwinkelten Treppen bis zum Cerro Bellavista hinauf.








Von hier oben ein allerletzter Blick auf die Sedov.



Wir trotteten durch die wuderschönen Gassen und gingen dann zurück zum Hotel.











Mit einer Taxi ging es zum Busbahnhof der zwischen Valparaiso und Viña del Mar liegt. Da die Busse verschiedener Gesellschaften und Klassen halbstündlich zur Hauptstadt fahren, war es nicht nötig die Tickets - wie sonst üblich - im voraus zu kaufen. Der nächste Bus war ein Pullmann-Bus um 12.30 Uhr.



Die Fahrt ging durch Weinplantagen fast ständig bergauf auf bis wir das Altiplano und nach 1 3/4 Stunde Fahrzeit Santiago erreichten. Bei meiner letzten Busfahrt von Valparaiso nach Santiago im Juni 1961 benötigte der Bus noch 5 Stunden. Mit einem Taxi ging es zum Hotel Galerias in der San Antonio, Ecke Avenida Libertador General Bernardo O'Higgins, im Centrum der Stadt.





Santiago (Abkürzung von Santiago de Chile) ist mit ihren ca. 7 Mio. Einwohnern die Hauptstadt Chiles und liegt in der Mitte des Landes. Die Stadt ist das politische Zentrum Chiles, auch wenn das chilenische Parlament, der Congreso Nacional (Nationalkongress), in Valparaíso tagt. Santiago ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt sowie das bedeutendste Wirtschafts- und Kulturzentrum von Chile mit zahlreichen Universitäten, Hochschulen, Museen und Baudenkmälern. Santiago liegt in einem Talkessel am Fluss Río Mapocho.

Am Nachmittag unternahmen wir einen ausgiebigen Bummel. Der Weg führte uns - wie sollte es auch anders sein - zum Regierungspalast "La Moneda". Er geriet im Jahr 1973 in Negativschlagzeilen als Augusto Pinochet putschte und den amtierenden Präsidenten Salvador Allende in den Selbstmord trieb.

Regierungspalast "La Moneda"



Regierungspalast, Ansicht von der Plaza de la Constitucion

Salvador Allende



Camara de Diputados




Kathedrale von Santiago.



Hauptpost - Historisches Nationalmuseum

Plaza de Armas


Am Abend fuhren zum Stadtteil Bella Vista in das dortige Szeneviertel von Santiago. Auf Empfehlung gingen wir in das Fischrestaurant "Azul Profundo" (blaue Ehrfurcht). Wir aßen dort Fisch in einer Orangen-Cocosnuss-Ingwer-Soße. Dazu gab es einen vorzüglichen chilenischen Rotwein. Das Essen und das Ambiente waren ausgezeichnet.







Anschließend unternahmen wir einen ausgiebigen Bummel durch das Szeneviertel. Wir tranken dort noch ein paar Pisco sour und fuhren spät nach Mitternacht zum Hotel. Von dem Szeneviertel waren wir drei mehr als begeistert, es war einfach nur toll!


Pünktlich mit dem ersten Sightseeing Bus um 09.30 Uhr starteten wir an der Merced unsere Rundfahrt durch Santiago und die Perepherie.






Das moderne Santiago






Zu unserer Verwunderung kamen wir auch durch das Barrio "Bellavista", in dem wir den gestrigen Abend verbracht haben. Bei den Markthallen stiegen wir aus. Diese waren jedoch geschlossen. Wir gingen zurück in Richtung Plaza Alameda und wollten unterwegs eine Kleinigkeit essen. Die Geschäfte und Restaurants waren größtenteils zu. Nach längerer Suche fanden wir ein offenes peruanisches Restaurant. Auf unsere Frage, ob heute ein besonderer Feiertag sei, erklärte man uns, dass es handelt um den "Día del Descubrimiento de Dos Mundos" (Tag der Entdeckung zweier Welten) handelt.

Nach Durchsicht der Speisekarte entschloss ich mich spontan für das Gericht "Rocoto Relleno", dass ich schon mal in Cusco/Peru gegessen hatte. Auch meinen Freunden habe ich es empfohlen und es schmeckte uns allen sehr gut.





Nach dem guten Essen ging es nun zu Fuß nach "Bellavista" - mit dem Bus waren wir vorher bereits durchgefahren - und dann weiter auf den 880 Meter hohen Cerro San Cristobal. Der Marsch nach oben auf den Hügel erwies sich weitaus anstrengender als gedacht.



Udo hat auf halben Weg aufgegeben und wollte am Fuß des Berges auf uns warten. Entgegenkommende Wanderer, die wir nach der noch zu benötigten Zeit bis nach oben auf den Cerro fragten, teilten uns mit, dass wir noch ca. 30 bis 45 Minuten laufen müssten. Aber weit gefehlt. Nach 1 Stunde und 15 Minuten war es endlich geschafft und wir wurden durch einen fantastischen Blick auf Santiago und die schneebedeckten Küstenkordilleren und Anden im Hintergrund belohnt.




Jetzt wollten wir natürlich auch noch bis ganz nach oben zur 22 Meter hohen "El Santuario de la Inmaculada Concepción del Cerro San Cristóbal". Hierfür benötigten wir nochmals 1/2 Stunde.




Beim Abstieg zum 2. Plateau entdeckten wir einen Stand mit Sammeltaxis. Mit 2 weiteren Personen fuhren wir bis nach unten, wo Udo auf uns wartete. In einem Gartenlokal gab es erst einmal etwas zu trinken, da wir vollkommen ausgetrocknet waren. Anschließend ging es mit einem Taxi zurück zum Hotel.

Es war unser Wunsch, am letzten Abend vor unserem Rückflug noch einmal ein Steak zu essen. Da viele Restaurants wegen des Feiertages auch am Abend nicht geöffnet hatten, fuhren wir wiederum Bellavista.

Das Centrum von Santiago, wie leergefegt.


Da auch hier viele Lokale geschlossen waren, mussten wir uns mit einem einfachen Restaurant begnügen und entsprechend fiel auch das Essen aus. Den Abschluss dieser Reise hatten wir uns anders vorgestellt.

An der Poolbar unseres Hotels genossen wir noch ein paar Pisco sour.




Da wir vor unserem Rückflug noch bis zum Mittag Zeit hatten, machten wir uns nochmals auf den Weg zum Mercado Central. Der Markt war in viele kleine Hallen aufgeteilt, die Fischhalle war sehr sauber, das Angebot an Fischen und Meeresfrüchten vielfältig und die Präsentation sehr ordentlich.









Ferner befand sich ein exzellentes Restaurant - von dem wir schon viel Gutes gehört hatten - in der Halle.



Die Blumenabteilung bot nur Friedhofsbestecke.



Die Fleisch-, Obst- und Gemüseabteilungen waren sehr klein, weit verstreut und unübersichtlich. Diese Abteilungen enttäuschten mich sehr. Meine Annahme, eine Stadt von dieser Größe und unter dem Einfluss deutscher Imigranten würde mehr bieten war ein großer Irrtum. Wenn ich da an die Märkte in Mexico denke, war das hier, was ich zu sehen bekam, tiefste Provinz.



Der Gemüsestand in der Fischhalle war noch am besten.




Die Obst- und Gemüsestände verstreut in verschiedenen kleinen Hallen.




Auch die wenigen Fleisch- und Soßenstände haben mich nicht überzeugt.



Vorbei am Centro Cultural Estacion Mapocho ging es zum Hotel


Nach dem Auschecken im Hotel fuhren wir um 13.00 Uhr zum Flughafen.



Pünktlich um 16.50 Uhr startete unsere Boeing 777-300 der AF, die nur zu 50 % ausgebucht war, zu ihrem fast 14 stündigen Flug nach Paris.



Atemberaubender Flug von Santiago über die östliche Andenkette



In Paris verabschiedeten wir uns in aller Freundschaft und jeder wünschte jedem alles Gute für die Zukunft. Beide sagten mir zu, uns im kommenden Fahr mit ihren Ehepartnern auf der Finca in Spanien zu besuchen. Udo setzte seinen Flug nach Düsseldorf, Wolfgang nach Bremen und ich nach Malaga fort.
In Malaga bestieg ich den Shuttle Bus nach Marbella, wo mich Heidi mit unseren beiden Hunden abholte.


Epilog
Mit dieser Reise ging für mich und meine beiden Freunde der langersehnte Wunsch, – einmal mit einem Windjammer um’s Kap Hoorn zu segeln, in Erfüllung. Der Törn ums Kap, die schneebedeckten Berge, die Schären und die Magellanstraße waren ein wahrer Traum. Leider ist der Wunsch, noch einmal das Wrack der „Westfalen“, mit der wir drei viele Jahre um die Welt gefahren sind, in Valparaiso zu sehen, nicht möglich gewesen.

Wir haben die Zeit an Bord sehr genossen und möchten der gesamten Schiffsführung und der Crew für ihre außerordentliche Gastfreundschaft danken. Auch den Trainees ein Dank für die gute Kameradschaft während des Törns, auch wenn es manchmal mit mir wegen der Diskrepanzen bezüglich Handelsmarine und Kriegsmarine – ich meine Bundesmarine - gegeben hat.


Markus A.

Inis S.

Werner P.

Joachim K.

Axel K.

Andreas G.

Ralf S.

Otfried K.

Reinhard Z.

Rainer R.

Peter K.

Sibylle O.

Georg

Paul S.

Chris K.

Peter G.



Manfred M.

Klaus U.

Otto T.

Franz B.

Jens L.

Jan W.

Anna G.

Jan G.

Sergej

Susi K.

Thomas U.

Alla Z

Hans-Werner G.

Wolfgang T.

Udo S.

Ralf


Ein ganz besonderer Dank geht an meine beiden Freunde Udo und Wolfgang, dass sie diese Reise gemeinsam mit mir unternommen haben. Auch möchte ich Dietrich-Peter Kleine, Christian Koenig, Rainer Ratke und Reinhard Zimmer für Ihre Recherchen und die zur Verfügung gestellten Fotos danken.

Ich hoffe und wünsche mir, dass der Rektor Alexander Erschov der Murmansker Staatlichen Technischen Universitat recht behält und die „SEDOV“ in ihrem vierten Leben “immer 'ne Handbreit Wasser unterm Kiel hat“. Allerdings - das sollte an dieser Stelle auch mal gesagt werden - ist an Bord noch viel zu tun, das gilt insbesondere für die Sicherheitseinrichtungen. Bei der Information und Organisation gibt es auch noch viel Verbesserungspotzenzial.

Den Herren Manhardt und Klose von der Stema herzlichen Dank für die Reservierung unserer Kammer 5.

Kapitän Nikolai Zortschenko und der „SEDOV“ für die Zukunft alles Gute.

Adios "SEDOV" und Allzeit Gute Fahrt



Info über 'ne Bremer Kööm-Buddel an Bord der "SEDOV"
Am 7. Juli 2012 wurden dem Kapitän der "SEDOV" in Bremerhaven zwei "Alter Senator"-Flaschen mit folgender Bitte übergeben.

© Weser Kurier, Bremen

Genau am 10.11.2012 um 10:11:12 Bordzeit auf der Reise von Callao/Peru nach Papete/ Französisch Polinesien wurden sie wunschgemäß dem Südpazifk übergeben.

Der Geist von Kap Hoorn
Während unseres Törns habe ich oft an längst vergangene Segelschiffzeit des letzten Jahrhunderts gedacht. Unter welchen Strapazen mussten die Matrosen damals in die Takelage, um die Segel zu setzen bzw. zu bergen und das bei Sturm, Kälte, Schlingern des Schiffes und nachts fast ohne Beleuchtung. Heute hat sich das Wetter zwar nicht geändert, aber dafür die leichter zu händelnden Segel und Tauwerke. Die Kleidung der Seeleute besteht heute aus Hightecmaterial, welches leichter, wasserabweisender und winddichter ist. Da die Sedov über einen Hilfsmotor verfügt, kann man die heutige Kap Hoorn-Umsegelung mit der des letzten Jahrhunderts nicht mehr vergleichen. Allerdings waren die damaligen Crews erfahrener, wogegen es sich auf der Sedov überwiegend um Studenten handelt.
Die längste Kap-Umrundung in der schwierigen Ost-West-Richtung dauerte 99 und die schnellste 5 Tage und 14 Stunden. Eine Umrundung wird immer vom 50 bis zum 50 Breitengrad gerechnet.
Die Kapitäne der damaligen Frachtensegler gründeten 1936 im französischen Saint Malo die Bruderschaft der „Cap Horniers“ (A.I.C.H. Amicale Internationale des Capitaines au Long Cours, Cap Horniers ). Es war wohl die exklusivste Vereinigung der Welt. Aufgrund des Aussterbens der Cap Horniers wurde die Bruderschaft 2003 am gleichen Ort aufgelöst.
Einige Nachfolge-Organisationen bestehen noch heute, unter anderem in Chile, auf dessen Staatsgebiet Kap Hoorn liegt, in den Niederlanden zu Ehren des Seefahres W.G. Schouten - der 1616 Cap Hoorn entdeckte und auf den Alandinseln, wo G. Erikson als letzter Reeder eine Flotte nur aus Großseglern betrieb.
Mir war nicht bekannt, dass sich auf unserem Törn einige Cap Horniers unter uns Trainees befanden. Sie hatten bereits auf anderen Großseglern, wie zum Beispiel Alexander von Humboldt, Kruzensthern und/oder Khersones Kap Hoorn umsegelt und sind Mitglied in einer der Cap Hoorn Nachfolgeorganisationen. Auf Empfehlung dieser Herren wurde ich am 1. April 2013 im:

La Cofradia de los Capitanes del Cabo de Hornos
„CAP HORNIERS“
Chile
als „Cofrade Colaborador“ mit der Mitgliedsnummer C-81 aufgenommen.



Certificat der chilenischen Marine

Es ehrt mich sehr und macht mich stolz, jetzt auch zu dem erlauchten Kreis der "Cap Horniers" zu gehören.
Möge er ewig weiterleben: „The Spirit of Cape Horn“.









. . . natürlich steht auch ein Modell der "SEDOV" in meiner maritimen Bar.


letztes update: 12. Oktober 2015
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